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    Reisebloggermontag: Interview mit einer Fernsüchtigen

    Reisebloggermontag: Interview mit einer Fernsüchtigen

    Probiert unbedingt Doreens Lassi-Rezept auf www.jeden-tag-ein-rezept.de!

    Travelbloggerin Doreen (c) fernsuchtblog.de

    Travelbloggerin Doreen (c) fernsuchtblog.de

    blogg.de: „Du nennst Dich augenzwinkernd Isolde MaReisen und bezeichnest Dich als fernsüchtig. Woher kommt Deine Leidenschaft, fremde Orte zu entdecken?“

    Doreen: „Meine Leidenschaft für das Reisen habe ich wohl von meinen Eltern in die Wiege gelegt bekommen. Vor meiner Geburt waren meine Eltern als Entwicklungshelfer in Mosambik tätig. Sie waren schon immer sehr weltoffen und reiselustig, auch wenn es zu damaligen Zeiten noch viel komplizierter war quer durch die Welt zu jetten. Von klein auf haben meine Eltern mich für die Welt begeistert, indem sie Wochen lang mit mir und meinem Bruder die Welt bereist haben. Damals haben wir Kinder um jede Minute Freizeit am Strand gefeilscht und wollten nicht „noch eine Kirche“ oder „noch einen alten Stein“ angucken. Heute bin ich ihnen dankbar, dass sie so beharrlich waren!

    Das Haus, in dem ich aufgewachsen bin, gleicht einem Reisetagebuch. Da trifft Eiche rustikal auf afrikanische Skulpturen, venezianische Masken auf Palmenblatt-Hüte aus der Karibik. Ich bin also quasi mit der Reiseleidenschaft meiner Eltern groß geworden. Und irgendwann, als ich meine ersten Reisen ohne meine Eltern unternommen habe, wurde aus meiner Reiseleidenschaft eben Fernsucht. Fernsucht zu haben bedeutet für mich, dass ich mich unausgeglichen und unzufrieden fühle, wenn ich nicht schon den nächsten Trip geplant oder ein weiteres Flugticket in der Tasche habe. Dann weiß ich: Ich sollte mal wieder Reisen! Daher auch der Spitzname…“

    blogg.de: „Gibt es ein Reiseerlebnis, dass Du über alle anderen stellst?“

    Doreen: „Meine prägendste Reise war sicherlich mein sechsmonatiger Aufenthalt in Indien. Während meines Studiums habe ich mich spontan für ein Auslandspraktikum in einem indischen IT-Outsourcing Unternehmen beworben, eine Zusage bekommen, meinen Rucksack gepackt und bin allein nach Indien gereist. Es war nicht immer leicht, der Schmutz, der Lärm, die Armut, die unterdrückte Rolle der Frau in einem Unternehmen, das von Männern dominiert wird, die stetige Aufmerksamkeit aufgrund meiner Hautfarbe… Und doch schlägt mein Herz für Indien wie für kein anderes Land auf der Welt. Indien hat mich verändert. Als ich nach den sechs Monaten in Indien zurück nach Deutschland kam, hatte ich Probleme mich an mein altes Leben in Deutschland zu gewöhnen. Alles ist sehr geordnet und durch Statusdenken gelenkt. Hier gibt es Lebensmittel im Überfluss und sauberes Wasser, niemand muss Hunger leiden und wir haben ein gutes soziales Auffangsystem. Manchmal vergessen wir hier in Deutschland gerne, wie gut es uns geht und verlieren uns in Luxusproblemen.

    (c) fernsuchtblog.de

    Navratri Tanzfest (c) fernsuchtblog.de

    Das absolute Highlight meines Indien-Abenteuers war das hinduistische Tanzfestival Navratri, welches vorrangig im Bundesstaat Gujarat gefeiert wird. Neun Nächte lang tanzen tausende Inder barfuß und in Festtagskleidung den traditionellen Volkstanz Garba. Die Schönheit des Festes kann ich kaum in Worte fassen. Es war eine große Ehre als Ausländerin daran teilnehmen zu dürfen. Und die Kirsche auf der Sahnetorte war, dass ich damals auf dem Titelblatt der „Times of India“ landete und mir ein Preis als beste Tänzerin verliehen wurde. Das war einfach surreal (und aus tänzerischer Sicht sicherlich auch nicht gerechtfertigt…).“

    blogg.de: „Outdoor-Aktivitäten haben es Dir besonders angetan. Welche sind Deine Favoriten für Sommer und Winter?“

    Doreen: „Das Beste an Deutschland sind die vier Jahreszeiten, denn egal ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, jede Jahreszeit hat ihren Reiz und ermöglicht mir ganz unterschiedliche Outdoor-Erlebnisse. Jetzt in der kalten Jahreszeit zieht es mich in die Alpen, denn ich fahre leidenschaftlich gern Snowboard, freue mich wie ein Kind über Schlittenfahrten und Schneeballschlachten und habe kürzlich das Schneeschuhwandern für mich entdeckt.

    Dorren beim Snowboarden (c) fernsuchtblog

    Dorren beim Snowboarden (c) fernsuchtblog

    Im Frühling und Sommer probiere ich mich in unterschiedlichsten Aktivitäten aus, von Klettersteigen, Slacklinen, Wakeboarden, Tauchen oder SUPen. Ich liebe es Gipfel zu erklimmen, oder Mountainbike zu fahren (wobei die Anzahl der daraus resultierenden blauen Flecken noch minimiert werden muss) und wild zu zelten. Dazu zieht es mich vorrangig ins Allgäu, die Sächsische Schweiz oder in die Dolomiten. Nach einem Kräftezehrenden Tag in der Natur dann eine Tüte Instant Risotto auf meinem Gaskocher zu brutzeln mit Blick auf eine wunderschöne Landschaft und einem besonderen Menschen an meiner Seite – das ist für mich der Inbegriff für Glück und Freiheit.“

    Mountainbiken im Allgäu (c) fernsuchtblog.de

    Mountainbiken im Allgäu (c) fernsuchtblog.de

    blogg.de: „Viele fragen sich, wie leidenschaftliche Weltenbummler das Reisen mit einer Vollzeitstelle unter einen Hut bringen. Was ist Dein Rezept?“

    Doreen: „Karriere und Fernsucht kann man sehr wohl kombinieren. Und ich selbst suche immer nach der perfekten Balance zwischen Bürostuhl-Akrobatik und Weltenbummlerei. Als Vollzeitangestellte mit nur 28 Tagen Urlaub im Jahr werde ich natürlich nie so viel von der Welt sehen wie ein digitaler Nomade oder ein Aussteiger. Doch dieses Lebensmodell bin ich einfach nicht.

    Karriere ist mir wichtig, mein Job macht mir Spaß und ohne meine Familie und meine Freunde wäre mein Leben nur halb so lebenswert. Also versuche ich beide Welten miteinander zu verbinden, das Weltenbummeln und den Alltag in Deutschland. Dazu plane ich mein Reisejahr sehr genau, nutze sämtliche Feier- und Brückentage für Trips, verreise oft an Wochenenden, unternehme Abenteuer in der Natur und beschränke mich auf eine große Fernreise im Jahr. Die Wartezeit auf die nächste Reise vertreibe ich mir mit dem Lesen von Reiseblogs und Reisemagazinen, dem Schneiden von Reisevideos, mit Reisevorträgen, viel Sport und Outdoor-Spaß oder eben durch das Aufarbeiten meiner Reisen auf fernsuchtblog.de.“

    blogg.de: „Du bist ein Profi, was das Rucksackreisen angeht. Was rätst Du Anfängern in Sachen Backpacking?“

    Doreen: „Erst kürzlich habe ich genau zu diesem Thema eine Anleitung für Backpacker-Newbies zusammengestellt, in welcher ich Schritt für Schritt erkläre, wie man an seine erste Rucksackreise rangehen sollte.

    Natürlich gibt es Länder, die sich besser für Backpacker Newbies eignen wie beispielsweise Thailand, Malaysia, Indonesien oder Vietnam. Diese Länder haben eine gute touristische Infrastruktur, sind günstig und man kommt mit Englisch gut um die Runden. Ziele wie Indien, Nepal oder Myanmar sind für die erste Rucksackreise eher ungeeignet, zu chaotisch und „anders“.

    Viele Leser fragen mich, wie ich mir meine Reisen finanziere und ob das nicht total teuer ist. Das ist nicht verwunderlich, denn Pauschalreisen und fertig zusammengeschusterte Reisen sind teuer, aber eben genau das mache ich nicht. Backpacking ist eine sehr günstige Methode die Welt zu sehen. Man muss nur seine Ansprüche an Unterkünfte und Komfort runterschrauben und bereit sein zu recherchieren, so kann man viel Geld sparen. Das geht bei der Flugsuche los und der Entscheidung, ob man direkt fliegt in 12 Stunden für 1.000€ oder als Gabelflug in 18 Stunden für eben nur 500€? Brauche ich ein Hotel mit Frühstück, Klimaanlage und Pool oder reicht mir eine kleines profanes Zimmer in einem Hostel, wo ich doch eh den ganzen Tag unterwegs bin?

    Doreen reist am liebsten spontan (c) fernsuchtblog.de

    Doreen reist am liebsten spontan (c) fernsuchtblog.de

    Generell reise ich ohne irgendwelche Unterkünfte vorzubuchen. Das gibt mir einfach die Möglichkeit vor Ort spontan zu entscheiden, wohin ich reisen und wo ich länger verweilen möchte. Das ist für mich einfach das ultimative Backpacker-Feeling. Doch wer zum ersten Mal mit dem Rucksack unterwegs ist, der sollte sich Schritt für Schritt an diesen Urlaubsstil herantasten, beispielsweise indem er sich für die ersten Nächte bereits vorab Unterkünfte bucht oder Etappen der Reise plant.“

    blogg.de: „Was ist Dein liebstes Soulfood, wo hast du es gegessen und wie wird es zubereitet?“

    Doreen: „Ich liebe asiatisches Essen, ganz gleich ob Thailändisch, Vietnamesisch oder Indisch. Ich kann nicht genug davon bekommen und avanciere zur asiatischen Fressmaschine. Doch meine unangefochtenes #1 Soulfood ist der indische Chai. Aus Indien habe ich mir ungelogen zwei Kilo Chai Masala mitgebracht, damit ich in Deutschland nie auf indische Lebenselixier verzichten muss. Die Gewürzmischung besteht aus Zimt, Kardamon, Pfeffer, Anis, Nelken und anderen exotischen Gewürzen. Je nachdem wie stark und scharf man seinen Chai mag, kocht man das Chai Masala mit Tee und Milch auf. Ein Schluck davon, und ich bin zurück in Indien! Jeden Morgen habe ich mir damals auf dem Weg zur Arbeit beim Chai Wallha, dem indischen Tee-Brauer auf der Straße, einen pappsüßen Chai gekauft.

    Wer den Chai nachkochen möchte findet hier mein Chai-Rezept. Eine Chai Masala Gewürzmischung erhaltet ihr in den meisten Asia Läden.“ Hier geht’s zu Doreen Lassi-Rezept auf www.jeden-tag-ein-rezept.de!

    blogg.de: „Warum bloggst Du? Du könntest schließlich genauso gut einfach durch die Welt fahren, die Bilder im Kopf haben und sie dort lassen – warum so öffentlich?“

    Doreen: „Ich blogge um meine Fernsucht zu therapieren. Was dem Kettenraucher das Nikotinpflaster ist, oder der Shopping Queen ihre Kreditkarte, das ist mir Fernsüchtigen mein fernsuchtblog.de. Mit meinen Artikeln auf fernsuchtblog.de schaffe ich letztlich mein eigenes kleines virtuelles Reisetagebuch. Ich habe Angst zu vergessen, was ich erlebt habe. Schon jetzt fält es mir manchmal schwer, mir alle die Reiseimpressionen im Kopf zu bewahren. Zudem teile ich meine Erlebnisse und Erfahrungen gern mit anderen Globetrottern und freue mich, wenn ich bei der Planung helfen und zum Backpacken inspirieren kann.

    Ich habe schon immer gern vom Reisen erzählt, fotografiert, Fotobücher gestaltet und Videos geschnitten. Letztlich war es aber ein Freund, der mich immer wieder zum Aufsetzen meines eigenen Reiseblogs bestärkt hat. Also habe ich mir in Eigenregie WordPress beigebracht, mich durch die unbekannten Welten der Domainregistrierungen und Datenbanken gewunden und daraus entstanden ist fernsuchtblog.de.“

    blogg.de: „Viele Blogger widmen sich dem Travelblogging, weil es dafür vermeintlich auch Übernachtungen in Luxushotels und Business-Class-Flüge gibt. Wie sieht es bei Dir mit dem ‘Sponsored travelling’ aus?“

    Doreen: „Ich denke nicht, dass gesponserte Reisen der Anreiz für einen Reiseblog sein sollten, sondern eben die Leidenschaft für fremde Orte und das Spaß am Schreiben und Fotografieren. Fernsuchtblog.de ist ein Baby-Blog, gerade einmal 4 Monate alt und noch etwas unbeholfen und unsicher. Bisher sind noch keine Angebote in meinem Postfach gelandet, dafür aber viele liebe und inspirierende Kommentare anderer Fernsüchtiger. Der Austausch mit anderen Weltenbummlern und die positive Resonanz sind mein Motivator, nicht der Ausblick auf Luxushotel und Business-Class-Flüge. Das bin einfach nicht ich. Ich liebe das Abenteuer, die Herausforderung und habe kein Problem mit einfachen Unterkünften oder Straßenessen, damit meine Trips bezahlbar bleiben. Ich benötige keinen Luxus, um mich in der Welt da draußen wohl zu fühlen. Vielmehr möchte ich auf all den Komfort und Luxus, den das Leben in Deutschland für mich bereit hält, einfach mal flüchten und den Alltag vergessen.“

    blogg.de: „Was wäre Dein Lieblingsziel über das Du gerne einmal bezahlt berichten würdest?“

    Doreen: „Meine erste Antwort wäre immer Indien! Ich weiß nicht was das Land mit mir angestellt hat, aber Indien ist und bleibt meine große Liebe. Ich würde gerne noch einmal Navratri tanzen, beim Holi anderen Menschen das Farbpulver um die Ohren schmeißen, eine Woche Yoga in einem Ashram im Himalaya Gebirge praktizieren und meine damaligen Kollegen wieder treffen. Das ist ein großer Wunsch, den ich mir unbedingt erfüllen muss und werde, ganz gleich ob gesponsert oder zusammengespart.

    Taj Mahal in Indien (c) fernsuchtblog.de

    Taj Mahal in Indien (c) fernsuchtblog.de

    Meine Bucket List st lang, wahrscheinlich zu lang für ein einziges Leben. Reiseziele, die schon lange auf meiner To-Do-Liste stehen, aber aus finanziellen Gründen vertagt wurden, sind Island, Bhutan, die Galapagos Inseln und Alaska.“

    blogg.de: „Ganz allgemein zum Thema Blogs. Wie siehst Du die Entwicklung in Sachen Blogging und Refinanzierung des Lebensunterhalts durch einen Blog?“

    Doreen: „Ich bin ein großer Fan von all den starken Frauen da draußen, die einen Komplettausstieg gewagt haben und ihren Lebensunterhalt als digitale Nomaden unter anderem durch ihre Reiseblogs finanzieren. Da wären Carina von PinkCompass oder Conni von Planetbackpack.de, zwei sehr inspirierende Persönlichkeiten.

    Ich denke aber auch, dass es für Reiseblogger-Newbies mittlerweile schwer geworden ist, in diese Riege aufzusteigen. Einen Reiseartikel, der noch nicht geschrieben wurde, den gibt es einfach nicht. Für mich persönlich ist es schon wundervoll, dass ich die Kosten für Domain und Wartung finanzieren kann. Dennoch plane ich nicht durch fernsuchtblog.de reich zu werden, weshalb man auf meinem Blog keine Kreditkartenwerbung und Werbebanner von Reiseagenturen finden wird. Mein Vollzeitjob finanziert mein Leben und meine Reisen. Mein fernsuchtblog.de therapiert mich und inspiriert hoffentlich andere Menschen zum Weltenbummeln.

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