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    Reisebloggermontag: Nicole reis(s)t aus!

    Reisebloggermontag: Nicole reis(s)t aus!

    Nicole bloggt auf ausreisserin.de. Im blogg.de-Interview erzählt sie wovor sie ausreisst, außerdem wohin, warum und was sie dabei spannendes erlebt.

    blogg.de: „Liebe Nicole, Du nennst Dich „Ausreisserin“ – wovor reisst du aus, wenn Du auf Reisen gehst?“
     

    "Ausreisserin" Nicole (c) ausreisserin.de

    „Ausreisserin“ Nicole (c) ausreisserin.de


     
    Nicole: „Vor dem Alltag, dem Bekannten, dem Gewohnten, den Routinen. So schrecklich ist mein Leben eigentlich nicht, sonst würde ich auswandern und nicht nur gelegentlich ausreißen. Aber ein Tapetenwechsel zwischendurch, Neues entdecken, Anderes erleben, den Horizont erweitern, das bringt Spaß und neuen Schwung für den Alltag.“
    blogg.de: „Wer auf Deinem Blog landet, stößt unvermittelt auf das Zitat von Albert Camus: ‚Das Reisen führt uns zu uns zurück‘. Wieso kannst Du das bestätigen?“
     
    Nicole: „Im Alltag hinterfrage ich mich selbst nicht so häufig, schon gar nicht meine Lebensabläufe und Routinen. Es läuft einfach. Ich erledige Dinge auf eine bestimmte Art und Weise, hauptsächlich aus Gewohnheit. Ich gebe es zu, an manchen Stellen bin ich ein kleiner Monk. Auf Reisen ist das alles anders. Unterwegs bin ich nicht durch eingefahrene Gewohnheiten eingeengt. Andere Länder, andere Sitten, heißt es so schön. Ich beobachte, passe mich an die örtlichen Gegebenheiten an, entdecke neue Wege und auch neue Seiten an mir. Ich konzentriere mich auf mich, auf das, was meine Persönlichkeit ausmacht, und ich definiere mich gelegentlich auch neu. Das Reisen führt mich also zu mir zurück.“
    blogg.de: „Deine Reisen haben Dich bisher mitten in den Regenwald und in tief verschneite Winterlandschaften geführt. Wo hat es Dir bisher am besten gefallen und in welche Klimazonen zieht es Dich am ehesten?
     
    Nicole: „Puh, das ist eine schwierige Entscheidung. Ich liebe einfach die Abwechslung. Im Regenwald habe ich vor allem die unberührte Natur mit ihren vielen Geräuschen genossen, das Plätschern, Knacken, Knistern, Pfeifen, Zwitschern, Summen und Surren. In finnisch Lappland war es die unendliche Stille, die mir – in Verbindung mit der Sauna und dem kuscheligen Kaminfeuer – zu innerer Ruhe verholfen hat. Auch das laute Quito mitsamt der ständigen Huperei der Autos habe ich als in sich stimmig und auf mich beruhigend empfunden. In Norwegen sind es die Aussichten über Fjells und Fjorde, die mein Herz höher schlagen lassen, und auf Island waren es die Farben der Landschaften, die mich fasziniert haben. In Irland hat die Mischung aus Natur, alten Steinen, Livemusik und unheimlichen lieben Menschen meine Begeisterung hervorgerufen. Die verschiedenen Landschaften und Länder üben alle ihren ganz eigenen Reiz aus. Mein absolutes Highlight bislang waren jedoch die Galápagos-Inseln. Die Inselgruppe im Pazifischen Ozean hat mich mit ihren eindrucksvollen Gesteinsformationen, der urigen Vegetation und vor allen den vielen, vielen exotischen und überhaupt nicht scheuen Tieren schlichtweg umgehauen.“
     
    Meerechsen sind für mich das Sinnbild der Galápagos-Inseln (c) ausreisserin.de

    Meerechsen sind für mich das Sinnbild der Galápagos-Inseln (c) ausreisserin.de


     
    blogg.de: „Wenn Du Deine Reisefotos durchschaust – welches weckt die eindrücklichste Erinnerung?
     
    Nicole: „Diese atemberaubende Aussicht habe ich am ersten Abend meiner allerersten Trekkingtour genossen.

     

    Panoramablick von der Hütte Fimmvörðuháls (c) ausreisserin.de

    Panoramablick von der Hütte Fimmvörðuháls (c) ausreisserin.de


     
    Wir sind in Island vom südlichen Skógar über 1.000 Höhenmeter hinauf auf die Hochebene Fimmvörðuháls gelaufen, die zwischen den beiden Vulkanen Mýrdalsjökull und Eyjafjallajökull liegt. Dort haben wir in einer recht kleinen, unheimlich urigen Hütte übernachtet, ohne Strom und fließend Wasser. Um an Wasser fürs Kochen und Tee machen zu kommen, mussten wir erst Schnee über der Feuerstelle schmelzen. Natürlich gab es auch kein richtiges Badezimmer, sondern nur eine Pissrinne und ein Plumbsklo. Ich habe daher das abendliche Zähneputzen kurzerhand nach draußen verlegt und dabei eben diesen tollen Ausblick genossen: 360° verschneites Bergpanorama mit den für Island typischen farbigen Gesteinen, die zwischen der Schneedecke zum Vorschein kamen. Ich habe mich gefühlt wie auf dem Dach der Welt – frei, unbeschwert und grenzenlos zufrieden.“
     
    blogg.de: „Du hast die Nordlichter gesehen, ein Traum vieler Reisefans. Wie war’s?“
     
    Nicole: „Nordlichter zu sehen, war ein großartiges Erlebnis – mit Suchtcharakter! Bei Nordlichtbildern bin ich schon immer ins Träumen geraten. Es schien mir allerdings völlig abwegig und sogar utopisch, im Winter den Polarkreis zu überqueren, „nur“ um das Lichtspektakel zu bewundern. Wir organisierten uns daher ein „Drumherum-Programm“ für den Tag: Huskytour, Rentierschlittenfahrt, Skilanglauf, Schneeschuhwanderung und eine Motorschlittentour. Auf ging’s nach finnisch Lappland. Gleich bei der Ankunft wurden wir von einem wahren Nordlichtfeuerwerk begrüßt! Auf der Fahrt vom Flughafen zur Unterkunft erblickte ich einen leichten, grünlichen Schimmer am Himmel. Sollten das Nordlichter sein oder war das nur die Spiegelung des Innenlichts des Busses? Von Minute zu Minute nahm der grüne Schleier mehr Form an: Er verwandelte sich zu hell leuchtenden, tanzenden, grünen Bändern, die den schwarzen Nachthimmel schmückten. Ich hätte vor Verzückung aufschreien können! Der Busfahrer hatte ein Herz mit uns Touristen und legte einen Stopp ein, damit wir die Aurora ausgiebig bestaunen konnten. Wow. Bei -25°C Grad hielten wir es in unserer eher dünnen Deutschland-Winterkleidung allerdings nicht lange draußen aus. Macht nichts, wir würden in der Urlaubswoche noch Gelegenheit genug haben, Nordlichter zu bestaunen, dann auch in wärmere Klamotten gehüllt und weniger übermüdet. Denkste! Die Lady Aurora hatte ihr ganzes Pulver bereits an unserem ersten Abend verschossen. Als logische Konsequenz mussten wir im darauf folgenden Jahr wieder in den Norden reisen, denn Nordlichter machen bereits nach einmaligem Konsum hochgradig süchtig. Wir entschieden uns dieses Mal für die norwegischen Lofoten und Vesterålen. Durch den Golfstrom herrschen dort selbst im tiefsten Winter vergleichsweise milde Temperaturen, außerdem verläuft der Nordlichtgürtel genau über die Inseln, was die Wahrscheinlichkeit für Nordlichtsichtungen erhöht. Der Plan ging auf: Von 10 Tagen hatten wir vier Mal das Glück, die Aurora zu beobachten und dieses Mal sogar auch zu fotografieren. Mein großer Traum ist in Erfüllung gegangen.“

     

    Nordlicht auf den Lofoten (c) ausreisserin.de

    Nordlicht auf den Lofoten (c) ausreisserin.de


     
    blogg.de: „Du bist gerne aktiv – auch unterwegs. Gibt es eine Outdoor-Sportart, die Du immer wieder machst?“

     

    Nicole: „Die gibt es: Wandern. Wenn ich eine Landschaft oder Gegend zu Fuß erkunde, kann ich intensiver dort eintauchen. Mir fallen mehr Details auf, weil ich mich langsamer fortbewege. Vor allem aber erreiche ich zu Fuß auch Stellen, die mit Auto, Bus & Co. nicht zugänglich und damit auch nicht so stark frequentiert sind. Die körperliche Aktivität gibt mir außerdem das gute Gefühl, mir die tolle Aussicht ehrlich erarbeitet und verdient zu haben.
     

    Trolltunga in Norwegen: Nach 5-stündiger Wanderung haben wir diesen exponierten Aussichtspunkt erreicht (c) ausreisserin.de

    Trolltunga in Norwegen: Nach 5-stündiger Wanderung haben wir diesen exponierten Aussichtspunkt erreicht (c) ausreisserin.de


     
    Neben dem Wandern habe ich keine Lieblings-Outdoor-Aktivität. Ich probiere gerne alles aus, was in irgendeiner Form Bodenhaftung hat: Kajak, Rafting, Canyoning, Gletscherwanderung… Dinge wie Bungeejumping oder Fallschirmspringen hingegen reizen mich so gar nicht.“
    blogg.de: „Warum bloggst Du? Du könntet schließlich genauso gut einfach durch die Welt fahren, die Bilder im Kopf haben und sie dort lassen – warum so öffentlich?“
     
    Nicole: „Erinnerungen verblassen mit der Zeit, oder sie entfernen sich von dem real Erlebten. Ich habe meine Reisen schon immer „nachbereitet“, z.B. indem ich Fotobücher von den Reisen erstellt habe. Zum einen macht mir das großen Spaß, zum anderen konserviere ich damit meine Erlebnisse und mache sie für mich immer wieder erlebbar. Frei nach Marcus Martial: „Doppelt lebt, wer auch Vergangenes genießt.“ Bei der Recherche für meine Reisen habe ich oft und gerne Reiseblogs konsultiert. Während mein Vorstellungsvermögen bei Streckenlängen und Höhenmeterangaben regelmäßig versagte, haben mir die Berichte von Bloggern über ihre Wanderungen ein viel authentischeres Bild davon vermittelt, was mich während der Tour erwarten würde. Anfangs dachte ich immer: „Mann, haben die schon viel erlebt.“ Irgendwann habe ich dann festgestellt, dass ich mittlerweile auch schon einige Reiseerlebnisse gesammelt hatte. Und so startete ich vor ca. 1,5 Jahren meinen Blog und konnte damit zwei Dinge verbinden: Ich konserviere meine Erlebnisse in Schrift und Bild, und ich biete gleichzeitig anderen Reisenden Infos und Hilfen, wie ich sie selbst eben auch häufig und gerne in Anspruch nehme.“

     

    blogg.de: „Viele Blogger widmen sich dem Travelblogging, weil es dafür vermeintlich auch Übernachtungen in Luxushotels und Business-Class-Flüge gibt. Wie sieht es bei Dir mit dem ‘Sponsored travelling’ aus?“
     
    Nicole: „Das steht bei mir nicht an erster Stelle. Der Blog ist mein Hobby, nicht mein Job. Ich blogge aus Spaß an der Sache, habe aber natürlich nichts dagegen, wenn ich an der ein oder anderen Stelle auch mal „etwas abstauben“ Nicole: „Das steht bei mir nicht an erster Stelle. Der Blog ist mein Hobby, nicht mein Job. Ich blogge aus Spaß an der Sache, habe aber natürlich nichts dagegen, wenn ich an der ein oder anderen Stelle auch mal „etwas abstauben“ kann. Wobei Abstauben der falsche Begriff ist, schließlich besagt das Prinzip des ‚Sponsored travelling‘, dass ich im Gegenzug einen Artikel über die gesponserte Leistung schreibe. Daher nehme ich auch nur Sponsorings an, hinter denen ich persönlich stehe und die zu meinem Blog und meinen Lesern passen.“
     
    blogg.de: „Was wären Deine Lieblingsziele über die Du gerne einmal bezahlt berichten würdest?“
     
    Nicole: „Da gäbe es so einige. Argentinien, Chile, Bolivien und Peru wären für mich als Südamerika-Fan spannend. Neuseeland und Kanada reizen mich. Und Schwarzafrika, das ist bisher leider noch ein weißer Fleck auf meiner Reisekarte. Ganz aktuell wären wir nicht abgeneigt, wenn sich Sponsoren für unsere im Sommer geplante Tour finden. Wir möchten unsere 2-monatige Elternzeit für eine Camper-Reise durch Europa nutzen. Vom Herzen her zieht es mich in die Nordländer, aber wenn man mit Kleinkind reist, spricht die Wetterbeständigkeit vielleicht eher für Südeuropa. Den Camperbulli, den wir uns anschaffen möchten, will uns wahrscheinlich keiner sponsern 🙂 Ansonsten könnten wir aber diverses Equipment gebrauchen, z.B. eine Kraxe für unsere Kleine. Auch Einladungen zu Outdoor-Aktivitäten würde ich gerne folgen.“
    blogg.de: „Ganz allgemein zum Thema Blogs. Wie siehst Du die Entwicklung in Sachen Blogging und Refinanzierung des Lebensunterhalts durch einen Blog?“
     
    Nicole: „Meiner Meinung nach muss man die Blogs grob in drei Kategorien aufteilen: Online-Reisetagebücher, die vornehmlich von Familie und Freunden gelesen werden, hobbymäßige Reise-Blogs mit einem gewissen (Stamm-)Publikum und natürlich die hoch frequentierten Profi-Blogs von Bloggern, die ihr Handwerk als Job ausüben. Letztere müssen sich ganz schön reinhängen, schätze ich. Mit seinem Blog den Lebensunterhalt zu bestreiten ist vermutlich ähnlich schwierig, wie wenn ein Maler von seinen Kunstwerken leben möchte. Es gehören auf jeden Fall eine gute Strategie und Struktur, eine große Portion Mut, viel Kreativität, regelmäßige spannende Artikel, gute Kontaktpflege, Networking und Selbstmarketing sowie vor allem eine Extraportion Individualität dazu. Einen Vorteil genießen sicherlich die Blogger der ersten Stunde. Neulinge müssen noch individueller sein oder eine noch unbesetzte Nische für sich ausnutzen.“

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