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    Reiseblogger und die Reiseindustrie – ein Interview zum Thema kostenlose Reisen und Geld verdienen als Blogger

    Reiseblogger und die Reiseindustrie – ein Interview zum Thema kostenlose Reisen und Geld verdienen als Blogger

    ITB - Der neue Treffpunkt für Blogger mit dem Fokus auf Reisen

    ITB – Der neue Treffpunkt für Blogger mit dem Fokus auf Reisen

    Auf der ITB haben wir mit Peter gesprochen. Er ist Marketingmanager in der Reiseindustrie und hat auf der ITB noch einmal Branchenluft geschnuppert, bevor er auf Tour ging.
    Wir wollten von ihm wissen wie und warum die Reiseindustrie sich stark um Blogger und Influencer bemüht und was er als Hindernis und als Chance sieht.

    blogg.de: „Reiseblogger sind hier auf der ITB gern gesehen Gäste. Es gibt eigene Veranstaltung und die Reisebranche bemüht sich um die Top-Reiseblogger. Können Reiseblogger die Bekanntheit von Destinationen erhöhen?“

    Peter:
    “ Es ist für Veranstalter, Fluglinien oder auch Kreuzfahrtgesellschaften und Destinationen immer eine gute Möglichkeit über Pressereisen/Bloggerreisen die Bekanntheit eines Ziels oder ein bestimmtes Angebot zu promoten. Gerade das Segment der Reiseblogger ist ein spannendes Feld, aber auch eines voller Irrtümer und Träume. Niemand aus der Reiseindustrie verschenkt etwas. Es muss auch geliefert werden.“

    Blogg.de:„Ok, klar, die Kunden wollen Leistung sehen. Wird das vorher genau definiert, oder muss ein Blogger nur ein paar Fotos hochladen und ein bis zwei Texte schreiben?“

    Peter:„In der Regel gibt es eine entsprechende Vereinbarung was geliefert werden muss und in welchem Zeitraum. Hält sich ein Blogger nicht daran, dann wird entsprechend nachgefragt. Im Gegensatz zu klassischen Pressereisen wird bei den Bloggern, meiner Meinung nach, mehr Druck gemacht. Hier sehen viele PR-Leute den Blogger eher als Werbefläche, wohingegen ein Magazin wie GEO Saison immer noch als hochwertiges Reisemagazin gesehen wird. Hier sind die PR-Leute deutlich glücklicher, wenn eine Reise zu einem guten Artikel führt.“

    blogg.de: „Ist es denn aus deiner Sicht ein Traumberuf Reiseblogger zu sein?“

    Peter:„Wenn Du Student bist und deine Backpacker-Tour finanzieren willst kann es dir als Traumjob erscheinen. Die meisten Reiseblogs sind von Backpackern geschrieben, wenige sind auf Themen wie Familienurlaub oder Luxus spezialisiert. Hier sehe ich Nachholbedarf und einen Ansatz zum Traumjob. Rucksackreisen sind nicht mein Ding, aber wenn ich mal Reiseblogger als Job machen sollte, dann nur als Luxusblogger wie Vanessa von pureglam.“

    Echte Luxusblogger fliegen Heli und verdienen gut damit.

    Echte Luxusblogger fliegen Heli und verdienen gut damit.

    blogg.de.„Luxusblogger, eine nette Idee! Es ist also erst einmal ein harter Job, bei dem Blogger mehr gefordert werden als Presseleute. Wie sieht es denn nun mit den kostenlosen Reisen aus und dazu noch einer Menge Geld als Aufwandsentschädigung. Wird beim Reisebloggen fair entlohnt?“

    Peter:
    „Fair ist natürlich eine Frage der Sichtweise. Wenn Du Student bist und hast wenige Kosten für deinen Lebensunterhalt, dann kann eine Reise für zehn Tage nach Thailand und 500€ als Handgeld eine spannende Sache sein. Wenn Du die ganze Blogsache als „Company“ machst, dann brauchst du mehr als 500€ und eine nette Reise. Hier sind die Journalisten, obwohl es hier auch deutliche Verschlechterungen in den Arbeitsbedingungen gibt, klar im Vorteil. Oft haben sie noch einen festen Vertrag mit dem Verlag und bekommen aus dieser Quelle ihr Einkommen und die Reise kommt vom Veranstalter. Bei Bloggern kommt die Reise und die Spesen meist aus einer Quelle, dazu kommen dann evtl. noch Werbeeinnahmen.“

    blogg.de:
    „Im Endeffekt siehst du die Blogger also im Nachteil, weil sie sich um alles kümmern müssen, während ein klassischer Journalist einfach nur schreiben muss.“

    Peter:„Genau! Der klassische Reisejournalist der im Auftrag eines Verlags unterwegs ist, hat es einfacher, weil er ein größeres Backup hat. Der Verlag druckt und vertreibt das Magazin, pflegt die Webseite und kümmert sich um Mediagelder. Der Blogger muss seine Webseite pflegen, sich um Kooperationen und Mediagelder kümmern und er muss auch noch sein eigener Travelagent sein, wenn es um die Planung geht. Damit ist sein Aufwand extrem hoch, eigentlich muss darunter die Qualität der Beiträge leiden, oder aber die Webseite ist nicht gut gepflegt, oder er verdient zu wenig mit Werbung. Es ist ein wirklich sehr belastender Job.“

    blogg.de:„Viele Blogger verdienen auch noch Geld mit Vorträgen und Seminaren bei Agenturen und Kunden. Eine Einnahmequelle die Journalisten nicht haben, oder eher selten haben.“

    Peter:„Noch ein Feld auf dem sie unterwegs sein müssen, ich sehe das sehr kritisch und glaube die meisten Travelbloger die wir heute sehen, werden in ein paar Monaten in der Fülle der Angebote in schweres Fahrwasser geraten. Schon heute sind die Preise nicht immer marktgerecht, weil gerade im Reisebereich jeder erfolgreich sein möchte. Da wird sich unterboten, nur damit der Platz bei der nächsten Pressereise sicher ist. Nur wenige werden sich wirklich behaupten können. Du musst dich konzentrieren können, keine finanziellen Sorgen haben, also ist ein Haus, ein neues Auto oder eine Familie eigentlich nicht möglich, weil du nur auf dein Blogding konzentriert sein musst.“

    Reiseblogger haben nicht immer ein üppiges Einkommen.

    Reiseblogger haben nicht immer ein üppiges Einkommen.

    blogg.de:„Geht das nicht vielen Selbstständigen so?“

    Peter:„Sicherlich gibt es hier ähnliche Herausforderungen, aber die Blogger haben es sehr schwer. Es gibt wenig Abstimmung, manchmal ist das alles wie ein Zirkus, was aber auch oft am Alter der handelnden Personen liegt. Schau dir die ganzen Fashionblogger an, fast alles kleine Mädchen, ohne Berufserfahrung. Die werden von den Kunden und PR-Agenturen oft schamlos ausgenutzt. Wenn Du 20 Jahre alt bist und bei Mama und Papa wohnst, dann freust du dich über ein paar Sneaker oder eine Reise zu einem Modeevent. Die zahlen dann auch noch oft die Anreise und das Hotel selbst. Da lacht sich die PR-Agentur schlapp. Im Reisesegment ist das etwas geordneter, weil alleine schon die unter 18jährigen gar nicht so mitspielen.“

    blogg.de:„Du zeichnest ein etwas düsteres Bild der Bloggerszene. Der Hauptgrund liegt in der nicht vorhandenen Professionalität, wenn ich es richtig verstehe?“

    Peter:
    „Korrekt. Manche sind wirklich begabt und können tolle Geschichten schreiben, aber die können sich ganz schlecht vermarkten. Ein paar Rampensäue gibt es natürlich die beides können und auch einen guten Draht zur Industrie haben. Da klappt das recht ordentlich. Alle Träumer die sich in facebook Gruppen um die besten Pressereisen prügeln werden nicht erfolgreich sein. Das Geschäft machst du nicht in der Öffentlichkeit. Dafür ist die ITB und ihr Angebot für Blogger sehr gut. Hier können sich die Blogger mit ihren Kunden treffen. Da weiß auch der Kunde wer dieser Mister X ist der sich mit seinem Blog auf etwas bewirbt.“

    blogg.de:„Mehr Professionalität, bessere Vernetzung und Abstimmung bei Preisen, stärkere Konzentration auf das Kerngeschäft, also die Bloggerei, und mehr Entlastung bei Themen wie Webseitenpflege und Backoffice sind also der Weg zum Erfolg und zum Traumjob Reiseblogger?“

    Peter:„Auf alle Fälle. Die Reiseindustrie braucht auch einen zentralen Punkt als Ansprechpartner. Vielleicht Vermarktungsunits für Blogger die auch ein ordentliches Preisgefüge festlegen und sich um die Einhaltung von Standards bemüht. Es gibt da gute Ansätze, ich denke der Weg ist aber noch weit, gerade beim Thema Kennzeichnung von Werbung. Ich schaue mir das alles sehr genau an.“

    blogg.de.„Bloggst du eigentlich?“

    Peter:
    „Ich nehme mir nach der ITB eine Auszeit und werde mit meiner Frau auf eine Südamerikatour gehen. Vielleicht bloggen wir was, aber vielleicht genießen wir einfach die Zweisamkeit. Nach 15 anstregenden Jahren in der Reisebranche brauche ich auch mal etwas Ruhe und Abstand. Freue mich dann aber auf eine neue Aufgabe, vielleicht auch eine bei der ich mehr mit Bloggern zu zun habe.“

    blogg.de:
    „Dann wünschen wir dir eine tolle Zeit und Danke für die offenen Worte.“

    Wir haben das Interview während der ITB aufgezeichnet und wollten es eigentlich für unser e-book „Die Bloggerformel“ verwenden. Aufgrund der aktuellen Diskussion um das Thema Schleichwerbung und Blogger haben wir es heute bereits veröffentlich. Peter haben wir versucht auf seiner Tour zu erreichen um ein Kommentar zum Frontal21 – Beitrag zu bekommen, aber offenbar genießt er seine Zweisamkeit.

    Alle Bilder: blogg.de/pm

    3 Comments
    • ReiseFreaks ReiseBlog

      8. Juni 2015 at 15:56 Antworten

      Danke für diesen Beitrag, Patrick! Das bringt etwas Licht ins Dunkel um die „ach so tolle“ ReiseBloggerei und ihre Licht- und Schattenseiten.

      Zu ergänzen wäre vielleicht das 24/7 – Versorgen der Social Media mit Bildern, Texten und Hinweisen auf Beiträge im ReiseBlog.

      Das kann auf die Dauer nicht gut gehen, wenn man nicht der Typ dafür und vollständig gesund, finanziell relativ unabhängig und von seiner Umgebung (Freunde, Verwandte, Familie) „getragen“ wird.

      Gefahren sehe ich im seit einiger Zeit gehypten „Büro unterwegs“: Arbeiten, woimmer es schön ist, und keine Veranlassung, zur homebase zurück zu kommen. Das wird nach einiger Zeit auch dem härtesten ReiseBlogger zu viel.

      Gruß aus dem verregneten Dillingen
      Wolfgang

    • Myriam

      8. Juni 2015 at 23:39 Antworten

      Sehr interessantes Interview, vorallem auch mal wichtig, die „andere Seite“ zu Wort kommen zu lassen. Nächstes Jahr werde ich auch mal zur ITB fahren. Dann ist nämlich endlich mein BWL Studium vorbei und ich habe wieder mehr Zeit. Zeit ist beim Bloggen mein größtes Problem, da ich neben dem Beruf studiere. Aber auf der anderen Seite bin ich auch ganz froh, dass ich ins Büro gehen kann und mein festes Gehalt bekomme und nicht monatlich zusehen muss, wie ich meine Rechnungen bezahle.
      Grüße Myriam

    • Bibo

      9. Juni 2015 at 13:25 Antworten

      Das ist ein wirklich toller Beitrag, der einmal „die andere Seite“ ( die Blogger ) beleuchtet.
      Wir waren in diesem Jahr auch zum ersten Mal auf der ITB und haben es einfach einmal genossen, uns nicht mit den Massen durch die Hallen schieben zu lassen !

      Aber als „semiprofessionelle Reiseblogger“, wir haben schließlich noch einen Vollzeitjob, ist es auch nicht einfach allem gerecht zu werden.

      Wer die „Bloggerszene“ verfolgt, dem fällt schnell auf, dass viele Firmen diese für sich entdeckt haben, um ihr Werbung zu platzieren.
      Nur sehen sie sich leider außerstande, auch für diese zu bezahlen.
      Es ist zwars chön, wenn man ein Angebot für ein Wochenende (irgendwo) erhält.
      Selbst wenn die An-&Abreise inklusive ist, vergessen viele, dass noch weitere Kosten auf einen zu kommen.
      Wer jetzt keinen festen Job hat und den Reiseblog als Full-Time-Job betreibt, der hat natürlich ein Problem !

      Wir sind da ein wenig unabhängiger, aber trotzdem wird es problematisch, wenn die Ausgaben das Angebot übersteigen.
      Dann sind wir ganz schnell im „Minus-Geschäft“ !!

      Wir schauen, mal auf die Werbespots im Fernsehen und Zeitungen.
      Ok, das ist eine andere Zielgruppe, aber die Kosten für die Anbieter sind enorm und der Erfolg der Werbung nicht wirklich messbar !

      Wir sind alt genug, dass wir wissen, dass wir mit dem Reiseblog nicht reich werden können, bzw. davon leben wollen.

      Aber ein wenig ehrliches Entgegenkommen der Veranstalter / Anbieter wäre schon schön !!

      Aber wir lassen uns trotzdem nicht unterkriegen und machen unser Ding weiter, auch weil es unendlich Spaß macht !!!

      In diesem Sinne…

      Liebe Grüße
      Bibo & Tanja

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