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    Für eine Handvoll Clicks: Empörung um den Nasenring von dariadaria

    Für eine Handvoll Clicks: Empörung um den Nasenring von dariadaria




    Wer im Internet seine Brötchen verdienen will, der oder die, muss auch provozieren und einstecken können. Nur austeilen ist im Netz ganz schlecht, nur einstecken ist auch ungesund. Wer Fame haben will, der braucht Follower, der braucht Pageimpressions und wer Pageimpressions haben will der braucht auch Clicks. Denn die wenigsten User kommen heute noch direkt auf eine Webseite. Eine knackige Headline hilft da oft. Manche dieser knackigen Headlines übertreiben etwas, dafür gibt es dann den schönen Begriff Clickbait.

    Wikipedia erklärt den Clickbait so: „Ein Clickbait besteht in der Regel aus einer reißerischen Überschrift, die eine sogenannte Neugierlücke (englisch curiosity gap) lässt. Sie teilt dem Leser gerade genügend Informationen mit, um ihn neugierig zu machen, aber nicht ausreichend, um diese Neugier auch zu befriedigen, ähnlich einem Cliffhanger.

    Clickbait-Alarm?

    Die Bloggerin dariadaria hat sich in einem Blogpost über einen Artikel in der ICON aufgeregt und dem Autor des Artikels vorgeworfen er habe Clickbaiting betrieben. Sie schreibt über die Leserschaft der Welt und die Welt (also die Tageszeitung aus dem Hause Axel-Springer):

     

    Klar, die Welt mag Clickbait, es ist Sommerloch (anscheinend nicht genug Anschläge in letzter Zeit) und die Welt hat eine Leserschaft, die gerne ausfällig wird.

     

    Gut, wer einen Blogpost mit der Überschrift „Mein Leben als Stück Fleisch“ versieht, hat aus meiner Sicht in der Clickbaitschulung auch nicht nur auf facebook und Instagram gesurft. Wer des Weiteren im Text dem Verlag vorwirft ein Artikel über ihren Gesichtsschmuck sei sexistisch und den Text so darstellt, also ob der Autor sich mit seinen Worten nur an die Bloggerin gewendet hat, der bekommt für das Unterrichtsfach „Sau durchs Dorf“ auf alle Fälle auch ein Sternchen mit Auszeichnung ins Klassenbuch geschrieben.

    Der Text über das Stück Fleisch als welches sich die Bloggerin sieht wird mit Kommentaren als Beleg garniert. In diesen Kommentaren (zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags sind es 30) haben sich die Trolle der Nation zum Thema „Frauen gehören an den Herd“ einen runtergeholt und werden dabei ordentlich von ein paar Trollinen (heißen weibliche Trolle so?) ordentlich angefeuert.

    Neben der Bloggerin dariadaria wird im Artikel von ICON das Ex-GNTM-Model Julia mit ihrem Nasenring gezeigt. Solidarität mit der Geschlechtsgenossin gibt es allerdings nicht, sondern Miss dariadaria, die sich erst vor einigen Monaten von der Saulus zur Paulus – Bloggerin gewandelt hat, lässt den Kosmos des Sexisumus hauptsächlich um sich kreisen, klar es geht um Frauen, aber sie ist angepisst, weil ein Redakteur in einer Lifestyle und Fashionbeilage etwas über ein Septum geschrieben hat und dieses modische Accessoir nicht als seinen Lieblingsschmuck bezeichnet. Ich kenne Fashionblogbeiträge die sind schlimmer und wertender abgefasst.

    Dazu kommt, der Artikel ist mit der Headline „Warum dieser Nasenschmuck Männer überfordert“ erschienen. Für diese wirklich lahme Headline gibt es ein Clickbait-Bashing einer Bloggerin die ihre Empörung über einen Fashionartikel mit den Worten „Mein Leben als Stück Fleisch“ betitelt. Hier hat jemand alle Register gezogen, um aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Klar sind die Kommentare beleidigend, sowohl unter dem aktuellen Artikel, als auch unter dem Artikel der ihr Engagement bei der Flüchtlingshilfe beschreibt. Das sollte nicht vorkommen, gehört aber leider zum Internet dazu und ist kein Phänomen der WELT-Leserschaft.

    Frau muss nicht aus allem einen Shitstorm machen

    dariadari schafft es aus einem, ich wiederhole mich da gerne, Modeartikel den ganz großen tagesaktuellen Wurf zu machen. da heißt es dann:

     

    Wir reden vom Burka-Verbot, wie selbst bestimmt die Frauen in Deutschland und Österreich seien und wie wir unsere “westlichen Werte” vor dem Feind verteidigen müssen. Wir feiern, dass DM jetzt Pfeffersprays verkauft und haben Angst vor den bösen Asylanten, die unsere selbstbewussten Frauen vergewaltigen könnten. Zeitgleich werde ich hier, von europäischen Staatsbürgern, als eine Frau als Tier an der Leine bezeichnet, die sich nicht mal schnäuzen kann, weil ich Schmuck im Gesicht trage.

     

    Weder hat der Autor des Artikels, bekannt als Twitterer Pokerbeats, dariadaria oder Julia zu einem Stück Fleisch gemacht, noch hat er besonders widerwärtig über Frauen darüber geschrieben. Der Artikel ist keine Sternstunde des Lifestyle-/Modejournalismus, aber davon sind auch viele Blogbeiträge bei dariadaria, die ja jetzt sowieso lieber mit dem ganzen Modequastch nicht mehr so viel zu tun haben möchte, weit entfernt. Christian Huber, der Autor des Artikels, ist eben ein junger Mann auf der Suche. Auf der Suche nach Frauen die ihn nicht irritieren, die ihm eine klare Botschaft vermitteln und darauf hat er hingewiesen. Vielleicht ist er gerade alleine und hat die Möglichkeit genutzt eine kostenlose Bekanntschaftsanzeige aufzugeben. Mädels mit Nasenring wissen sie sind raus, ist doch super. Deshalb muss niemand ein solches Fass aufmachen wie es Madeleine Alizadeh (dariadaria) gemacht hat.

    Traffic generieren oder echte Empörung

    Trafficentwicklung dariadaria.com laut Alexa. Stand 22.08.2016

    Trafficentwicklung dariadaria.com laut Alexa. Stand 22.08.2016

    Am Ende möchte ich wieder auf den Einstieg des Artikels kommen. Wir alle brauchen Traffic um im Haifischbecken Internet aufzufallen. Je größer das erzeugte Rauschen ist, desto besser ist es für die Monetarisierung der eigenen Inhalte. Als erfolgreiche Fashionbloggerin hatte dariadaria mehr Zugriffe als heute. Laut verschiedener Webdienste hat sie in den letzten Monaten deutlich an Traffic verloren. Gute Inhalte sind wertvoll und wer sich als Bloggerin anstatt den Catwalks dieser Welt nun lieber den Flüchtlingscamps in Europa zuwendet, der wird dafür von den ehemaligen, sich lieber an der Primarktüte festkrallenden Leserschaft, abgestraft. Wir lesen lieber etwas über Luxus anstatt uns dem Elend zu zuwenden.

    Ein kleiner lauter Schrei nach Liebe ist da manchmal natürlich Balsam auf die Seele, aber ich glaube hier wird oder wurde wirklich eine Mücke zu einem Elefanten gemacht. Nicht aus tiefer und echter Empörung, sondern auch um ein wenig Traffic zu generieren. Etwas was Madeleine Alizadeh mit ihren guten Absichten eigentlich nicht nötig hat.

    Um es klarzustellen, auch ich bin kein Fan eines Nasenrings. Er stört mich nicht, er irritiert mich nicht, ich mag ihn nicht. Bei Männern wie bei Frauen. Ich blogge außerdem immer und gerne über solche Aufreger (siehe hier und hier), weil ich Clicks mag.

     

    2 Comments
    • A

      25. August 2016 at 04:26 Antworten

      Sich über die Art und Weise der Blogeinträge von anderen beschweren, aber seine eigenen Einträge mit fragwürdigen, irreführenden Bildern untermauern macht den Autor leider kein Stück besser.

      • CEB (Chief Executive Blogger)

        26. August 2016 at 10:01 Antworten

        Was für irreführende Bilder?

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