Atombombe auf Hiroshima - Todespilot bereute Angriff nie
Atombombe auf Hiroshima - Todespilot bereute Angriff nie
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Atombombe auf Hiroshima – Todespilot bereute Angriff nie

Als Paul Tibbets vor 75 Jahren den Befehl zur Auslöschung Hiroshimas ausführte, war das Schicksal des ersten nuklearen Angriffs weltweit besiegelt. Einige Jahrzehnte später sorgte der einstige Todespilot erneut für Entsetzen.

Paul Tibbets und seine Vergangenheit

Wenn Menschen am Himmel einen Bomber erblicken, reagieren sie am Boden eher skeptisch und verängstigt. Als am 6. Oktober 1976 ein Flieger über das Flugfeld von Harlingen in Texas flog, schauten die Menschen am Boden eher fasziniert in Richtung Himmel. Die nahezu 20.000 Zuschauer waren begeistert, als sich auf der Erde ein Lichtblitz bemerkbar machte. Kurze Zeit später stiegen nach einer Explosion hohe Rauchschwaden in die Luft, die mit einem kleinen Atompilz vergleichbar waren. Diese Ähnlichkeit war alles andere als zufällig. Zudem war die ausgelassene Atmosphäre der Besucher der Flugschau kein Zufall. Schließlich hatte an Bord der B-29 Paul Tibbets Platz genommen. Der US-Amerikaner galt für die Menschen des Landes als Held, der als Veteran aus dem Zweiten Weltkrieg Geschichte schrieb.

Im fernen Japan löst der Name „Tibbets“ eher Angstzustände aus. Schließlich saß der Pilot an Bord des Flugzeugs, das am 6. August 1945 den Bomber B-29 mit der Bezeichnung „Enola Gay“ den Angriff auf Hiroshima befehligt hatte. Während dieses ersten Atombombeneinsatzes der Menschheitsgeschichte wurde die asiatische Stadt durch das nukleare Inferno dem Boden gleich gemacht.

Was war geschehen?

Am frühen Morgen dieses Sommertages startete Tibbets zusammen mit seiner Besatzung auf der Marianen-Insel. Die Maschine benannte der Oberst nach seiner Mutter, die ihm den Weg zur Erfüllung dieses Berufswunsches ebnete. Tibbets verbrachte die lange Zeit auf dem Flug durch die Pazifikregion damit, seiner Vorliebe für Tabakpfeifen zu frönen. Zugleich wartete die Besatzung mit Spannung auf das, was kommen wird. Schließlich hatten die Männer mit der Atombombe „Little Boy“ die tödlichste Ladung aller Zeiten an Bord.

Um auf den Abwurf der Atombombe vorbereitet zu sein, musste die Crew im Vorfeld an einem rigorosen Training teilnehmen. Regelmäßig warf die mit Bedacht ausgewählte Bombermannschaft die Last aus einer Distanz von ungefähr neun Kilometern auf die Erde ab. Die Crew musste die Aufgabe erfüllen, das avisierte Ziel auf wenige Meter Abstand exakt zu treffen. Doch das war noch längst nicht alles. Damit die Piloten selbst diesen Angriff überlebten, mussten sie in waghalsigen Manövern gut erprobt sein. Schließlich war es ihr Ziel, die Gefahrenzone so schnell wie möglich und unversehrt zu verlassen. Dass der 1915 im US-amerikanischen Illinois geborene Tibbets der Elitegruppe angehörte, hatte zwei Gründe. Einerseits hatte sich der Amerikaner als guter Pilot bewährt, der im Vorfeld schon aktiv an mehreren Einsätzen gegen das Deutsche Reich teilnahm. Andererseits konnte er die Zuverlässigkeitsprüfung durch zuständige Behörden nachweisen.

Der Tod war allgegenwärtig

Als Tibbets am 6. August 1945 vor der Besatzung stand, löste er alle Unwissenheiten auf. Er klärte die Männer darüber auf, dass Hiroshima das Angriffsziel sein wird. Um 8.15 Uhr kreiste der Bomber über der Stadt und warf „Little Boy“ ab.

Auf einer Höhe von ungefähr 600 Metern explodierte die Atombombe.

In diesem Moment stand das Leben von mindestens 70.000 Menschen still. Allein 13 Kilometer schraubte sich der Atompilz in die Höhe. Im Bomber beglückwünschte Tibbets seine Crew dazu, im Moment zuvor „die erste Atombombe der Geschichte abgeworfen zu haben“. Unmittelbar nach dem Abwurf flog der Pilot eine scharfe Kehrtwendung, um selbst keinen Schaden von dem Abwurf davon zu tragen. Um einer drohenden Erblindung vorzubeugen, setzte jedes Crew-Mitglieder eine Schutzbrille auf. Paul Tibbets war von der Situation nach wie vor begeistert. Alle anderen Mitglieder der Besatzung plagte hingegen das schlechte Gewissen. Beispielsweise brachte Sergeant Robert H. Shumard im Nachhinein auf Papier, dass „da nichts als Tod in dieser Wolke“ war.

Ein Bild des Grauens

Wohlbehalten kam die „Enola Gay“ wieder in Tinian an. In Hiroshima zeichnete sich hingegen ein Bild des Grauens ab. Soldaten bemühten sich darum, andere Menschen aus dem Feuer zu retten. Später hielt der Soldat Shigemi Ideguchi in seinem Buch fest, dass sich dessen Haut bis zum Ellenbogen hin ablöste. Zehntausende Menschen ließen allein durch die Explosion ihr Leben. Zahlreiche weitere Opfer verstarben in den Wochen und Monaten darauf. Todesursache war die Strahlung, der die Einwohner Hiroshimas ausgesetzt waren.

Die Amerikaner waren hingegen irritiert. Da die ganze Stadt durch eine einzige Bombe zerstört wurde, gingen US-Streitkräfte von einer sofortigen Kapitulation Japans aus. In der Tat hatten die Offiziere des Kaisers verstanden, in diesem Krieg keine Chance mehr zu haben. Daraufhin folgte am 9. August eine Unterredung im Palast. Noch während dieser Unterredung fiel auf Japan eine weitere Bombe nieder. Erneut ließen Zehntausende an Menschen ihr Leben, als „Fat Man“ über der Hafenstadt Nagasaki abgeworfen wurde. Dennoch gingen Tibbets und seine Crew als die Personen in die Geschichte ein, welche die erste Atombombe weltweit im Weltkrieg einsetzten. In den nachfolgenden Jahrzehnten musste sich der Pilot immer wieder Fragen rund um den Einsatz stellen. Doch der Todbringer erwies sich als gewissenlos.

US-amerikanische Regierung entschuldigte sich

Ganz im Gegenteil. Auch im Jahre 1976 scheute sich Paul Tibbets nicht davor, den Angriff auf Hiroshima nachzustellen. Auf Seiten Japans folgten hingegen Proteste. Das Staatsoberhaupt von Hiroshima bezeichnete die Nachstellung als „Beleidigung der ungezählten Toten“. Schließlich gab es zu diesem Zeitpunkt noch immer Menschen, die in Hiroshima an den Spätfolgen des Atombombenangriffs starben. Daraufhin bat der US-amerikanische Präsident Gerald Ford die Regierung Japans um Verzeihung für das unangebrachte Verhalten von Paul Tibbet.

Allerdings zeigte der einstige Todespilot noch immer keine Reue. Denn bereits 1977 wollte Tibbets ein solches Spektakel noch einmal wiederholen, bis er von der US-amerikanischen Politik daran gehindert wurde.

Die Situation im Hier und Jetzt

Bis heute gehen die Geschehnisse in Hiroshima und Nagasiki als Sinnbild des Schreckens in die Geschichte ein. Tibbets war hingegen ein Leben davon überzeugt, am 6. August 1945 die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Der Pilot verstarb 2007 und blickte zu diesem Zeitpunkt auf eine lange Laufbahn als Offizier sowie anschließend als Führungskraft eines Flugunternehmens zurück. Im Gegensatz dazu schlug Theodore Van Kirk als einstiger Navigator an der „Enola Gay“ einen völlig anderen Weg ein. Er erklärte all die Menschen für verrückt, die Kriege anfangen.