Kamtschatka – Eine Reise ans andere Ende der Welt

„Um etwas zu sehen, was noch keiner gesehen hat, muss man dorthin, wo noch keiner war“. So beschreibt ein russischer Reiseleiter die Region Kamtschatka am äußersten Ende Asiens. Wenige haben je von der Halbinsel gehört, noch viel weniger waren selbst dort.
Doch wer Einzigartiges erleben möchte, muss das Bekannte verlassen. Wir geben alle nötigen Informationen für eine Reise ans andere Ende der Welt.
Wissenswertes um Kamtschatka
Wer Kamtschatka auf einer Karte sucht, wird seine interessante Lage schnell entdecken. Das letzte Fleckchen Russlands, kurz bevor auf der anderen Seite Alaska beginnt, liegt eindrucksvoll zwischen dem Ochotskischem Meer und der Beringsee. Die Region umfasst eine Fläche von 470.000 km² und ist damit mehr als 100.000 km² größer als Deutschland. Sie besteht aus der sichelförmigen Halbinsel und einem nicht unerheblichen Festlandgebiet. Russische Kosaken entdeckten das Land vor etwa 350 Jahren und machten es 1697 zum Teil ihres Reiches.
Die Bevölkerung von 400.000 Einwohnern lebt hauptsächlich in der Industriestadt Petropavlovsk-Kamchatsky. Der Rest liegt verteilt auf dem Land und lebt von der Jagd, Fischerei und Viehzucht.
Als beste Reisezeit gelten die späten Frühlings- und Sommermonate von Mai bis September.
Trotz der nördlichen Lage können die Temperaturen schnell über 30 °C klettern. Die Nächte bleiben kühl; unter den Gefrierpunkt geraten die Werte erst im Gebirge. Wer sich für den Schneesport interessiert, reist von Februar bis April ans äußerste Ende Russlands – hier können die weißen Massen bis zu zehn Meter hoch werden.
Für die Anreise wird ein Visum benötigt, das spätestens drei Tage vor Reiseantritt gestellt werden muss.

Vulkan-Trecking in Kamtschatka
Eine der beliebtesten Aktivitäten durch die Weiten des Landes ist das Trecking. Darunter versteht man mehrtägige Wanderungen, die mit großem Gepäck durch das Hochgebirge und die Tiefebenen des Landes ziehen. Auf Touren haben Reisende die Möglichkeit, die wilde Natur selbst hautnah zu erleben. In Gruppen werden sie von einer ortskundigen Begleitung angeführt und unterrichtet. Eine derartige Tour dauert meist 14 bis 21 Tage und entführt Urlauber in die entlegensten Ecken unserer Erde.
Eine der beliebtesten Trecking-Touren geht dem Vulkan-Mythos der Halbinsel auf den Grund.
Die Aktivwanderung führt Abenteurer quer durch Südkamtschatka, vorbei an brodelnden Vulkanen, schwarzen Sandstränden und heißen Quellen. Nach der Ankunft am kleinen Regionalflughafen von Jelizowo geht es weiter mit dem Helikopter nach Caldera Ksudach. Hier kommen Besucher in den Geschmack der wilden Kraterregion und schlagen ihre Zelte am Strand auf. Nachts baden sie in heißen Thermalquellen und blicken in den freien Sternenhimmel. Am nächsten Morgen wandern sie zum verschneiten Gipfel des Vulkans Khodutka, wo sie eine einzigartige Sicht auf die Bergseen und Krater des Tales genießen. Auf ihrer Wanderung treffen sie Bären, Füchse und Hasen. Auch laichende Lachse sind ein Highlight der Wanderung.
Etwas später führt es sie in eine stillgelegte Goldmine am Asacha Fluss. Hier suchte die Sowjetunion einst nach dem teuren Edelmetall. In einem weiteren Tagesausflug reisen sie zum aktiven Vulkan Mutnovsky, wo sie umgeben von dichtem Nebel das brodelnde Innere des Kraters erblicken. Eine Jeep-Tour durch das grüne Flachland beendet das Trecking-Erlebnis und lässt Reisende sicher in der Hauptstadt Petropavlovsk-Kamchatsky ankommen.

Heliskiing neben aktiven Vulkanen
Selbst der tiefste Winter bietet in Kamtschatka einiges an Adrenalin. Heliskiing auf der Halbinsel ist eines der exklusivsten Sporterlebnisse, die unsere Erde zu bieten hat. Für etwa 7.000 € ermöglicht das die Bergregion um Jelisowo. Von persönlichen Lodges aus werden Urlauber mit einem Helikopter auf mehrere Tausend Meter Höhe gebracht. Oben abgesetzt haben sie alle Freiheiten, die sie sich wünschen. Die improvisierten Pisten führen vorbei an Geysiren und Kratern, durch lichten Birkenwald und dem feinsten Tiefschnee. Mit Blick auf den Pazifik und rauchende Vulkane brettern sie ins Tal und realisieren, an was für einem extremen Ort sie hier angekommen sind.
Am Abend wartet ein typisch russisches Saunahaus und eine umfängliche Komplettverpflegung. Dabei ist das Heliskiing in Kamtschatka nichts für unerfahrene Sportler. Erst 2010 kamen mehrere Deutsche bei einer Abfahrt ums Leben. Nur wer beispielsweise in Kanada bereits Erfahrungen mit dem Extremsport sammeln konnte, sollte sich an die russische Bergregion herantrauen.
Ungezähmte Tierwelt im Norden
Doch auch, wer es ruhiger angehen lassen möchte, wird von Kamtschatka begeistert sein. Nicht ohne Grund engagiert sich die WWF intensiv für den Erhalt der ostrussischen Tierwelt. Dazu zählt auch das besondere Zusammenspiel von Bären und Lachsen.
Wohl kaum ein Tier steht so sehr für die wilde und kalte Natur wie der Braunbär.
In den grünen Tiefebenen neben den größten Vulkanen der Halbinsel hat er sein Zuhause gefunden. Der Kamtschatkabär (ursus arctos piscator) ist eine seltene Braunbärart, die vor allem im Süden der Region lebt. Die circa 10.000 Stück versammeln sich meist um die reißenden Gewässer der Tiefgebiete. Denn hier tummelt sich ihr täglich Brot – der Lachs. Der Fisch ist auf der ganzen Insel verbreitet und auch eine der Hauptnahrungsquellen der einheimischen Bevölkerung. Dazu zählen besonders seine Eier, der Kaviar. Doch das wahre Highlight der Fische ist ihr Fang im Sommer.
Besonders um den Kurilensee herum sammeln sich etliche Braunbären, die den Fisch auf seiner Wanderung abfangen. Für Zuschauer ergibt sich ein Naturspektakel, das seinesgleichen sucht. Unendliche Mengen an Fisch springen aus dem kalten Wasser oft direkt in die hungrigen Mäuler ihrer Fressfeinde.
Fazit
Kamtschatka ist ein weites Land voller Eis und Feuer, voller wilder Natur und unglaublicher Bilder. Wanderungen über riesige Vulkanlandschaften, Heliskiing vorbei an Geysiren und ein schier unendliches Braunbär-Treiben erlebt man wohl nur am äußersten Ende der Welt.