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Sind Vergleichsportale vertrauenswürdig?
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Sind Vergleichsportale vertrauenswürdig?

Vergleichsportale haben im World Wide Web einen wichtigen Zweck. Diese Plattformen bieten Verbrauchern die Gelegenheit, sich für einen geeigneten Anbieter für Strom, Gas oder DSL-Anschlüsse zu entscheiden. Doch wie seriös sind einzelne Vergleichsportale eigentlich?

Zu wenig Transparenz bei Vergleichsportalen

Wer einen neuen Handy- oder Stromanbieter sucht, kommt heute eigentlich nicht mehr an Vergleichsportalen wie Verivox oder Check24 vorbei. Anbieter offerieren ihre Unterstützung auf der Suche nach einem lukrativen Handyvertrag, der DSL-Leitung oder besonders günstigem Strom. Deshalb möchten heutzutage Millionen an Internetnutzern auch nicht mehr auf die Vorzüge der Vergleichsportale verzichten. Allerdings lässt die Transparenz der Plattformen bei einigen Portalen zu wünschen übrig. Schließlich ist es von außen nur schwer nachvollziehbar, wie die Plattformen ihre Rankings erstellen. Deshalb fordern Verbraucherschützer nunmehr dazu auf, etwas genauer hinzuschauen.

Zudem ist das Verbraucherschutzministerium laut Aussagen der Süddeutschen Zeitung mittlerweile darum bemüht, die Praktiken der Internetplattformen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Mehr Verantwortung übernehmen

In der Vergangenheit sorgten mehrere Firmenpleiten für Aufsehen. Vom bayerischen Billigstromanbieter BEV über Flexstrom bis hin zu Teldafax – mehrere hunderttausend Kunden waren von diesen Insolvenzen betroffen. Spätestens seit diesen Vorfällen werden kritische Stimmen darüber laut, ob die Vergleichsportale nicht das Zünglein an der Waage für die Durchführung unserer Geschäftsmodelle sind. Deshalb fordern Verbraucherschützer der Bundesregierung nunmehr dazu auf, dass die Vergleichsportale ihre Verantwortung gegenüber Anbietern sowie Verbrauchern exakter kennzeichnen sollten.

Sollen Vergleichsportale noch stärker für ihre Handlungen haften?

Ginge es nach der Meinung von Klaus Müller als Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband, sollten Internet-Vergleichsportale speziell für ihr Handeln haften. Diese Ansicht befürwortet das Verbraucherschutzministerium. Daraufhin leitete Staatssekretär Gerd Billen eine Kontrolle darüber ein, ob die Bundesnetzagentur in ihrer Funktion als Aufsichts-Instanz unterstützt werden könne. Immerhin seien die Insolvenzen der Anbieter besonders ärgerlich. Deshalb ist Handlungsbedarf gefragt, um die Vergleichspraktiken der Portale genauer zu beleuchten.

Eine große Auswahl an Angeboten

Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox nehmen insbesondere auf dem Strommarkt eine besonders wichtige Rolle ein. Wie Andreas Mundt als Präsident des Bundeskartellamts feststellte, wird mittlerweile beinahe jeder vierte Vertrag über eine Energieversorgung der Haushaltskunden über die Vergleichsportale geregelt.

Stromkunden fällt es dank der Angebote der Portale nicht mehr schwer, sich einen genauen Überblick die vielfältigen Angebote zu verschaffen. Schließlich dürfen potentielle Kunden aus durchschnittlich 124 Anbietern ihren persönlichen Favoriten auswählen, wie die Bundesnetzagentur bestätigt.

Provisionen für erfolgreiche Vermittlungen

Für eine erfolgreiche Vermittlung neuer Kundschaft erhalten die Portale von den Lieferanten Provisionen. Allerdings betonen die Vergleichsportale in diesem Zusammenhang, dass sich die Höhe der Provisionen nicht auf das Ranking einzelner Angebote auswirkt.

Außerdem betrachten sich die Vergleichsplattformen nicht als Kontrollinstanz der Stromlieferanten. Wie Verivox-Managerin Dagmar Ginzel bestätigt, überwachen die Portale nicht den Markt. Vielmehr versuchen die Plattformen, ein transparentes Spiegelbild des Marktes widerzugeben. In diesem Zusammenhang gibt ein Sprecher von Check24 zu verstehen, dass die Vergleichsportale auch keine detaillierte Überprüfung der aktuellen finanziellen Situation der Anbieter vornehmen. Vielmehr bestünde die Aufgabe der Bundesnetzagentur darin, eine möglichst verbraucherfreundliche, günstige und ebenso sichere Gas- und Stromversorgung zu ermöglichen.

Aufgeführte Angebote mit der nötigen Skepsis betrachten

Dennoch sind Verbraucher bei der Beurteilung der Angebote gut beraten, die dargestellten Fakten mit der nötigen Skepsis zu betrachten. Häufig agieren die Dienstleister als kommerzielle Anbieter, deren Tätigkeit einer Maklerfunktion gleicht. Das bedeutet wiederum, dass die Angebote auf den Plattformen weniger auffällig oder gar nicht dargestellt werden, mit denen die Portale keine Provisionsvereinbarung getroffen haben. Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass die Portale keinen Hintergrundcheck durchführen. Diese Umstände sollten allerdings auch nicht dazu führen, dass Verbraucher die Vergleichsportale per se kritisch betrachten müssen.

Allerdings ist es wichtig zu wissen, wie die Plattformen genutzt werden sollen. Präsentiert ein Portal auf der Suche nach einer neuen Versicherung beispielsweise die vermeintlich besten Angebote, sollten Interessenten die dabei aufgeführten Preise mit anderen Portalen oder Direktversicherern vergleichen. Denn wer mehrere Offerten auf unterschiedlichen Portalen genauer unter die Lupe nimmt, erhöht automatisch sein Einsparpotential für die Angebote. Beispielsweise ist es dadurch möglich, von lukrativen Rabatten zu profitieren, die wiederum auf Kooperationen mit dem Versicherer basieren.

Bei der Suche voreingestellte Filter deaktivieren

Wer einen besonders umfassenden Überblick der Angebote erhalten möchte, sollte bei der Suche voreingestellte Filter deaktivieren. Außerdem ist es wichtig, Vor- und Nachteile besonders günstig dargestellter Tarife genau zu überprüfen und zu kontrollieren, ob diese Angebote im Vergleichsjahr nicht nach oben angepasst werden könnten. Ebenso hilfreich ist es, einen Blick auf die Erfahrungsberichte anderer Verbraucher zu werfen. Deshalb ist es empfehlenswert, sich genügend Zeit für eine Recherche der Kundenrezensionen zu nehmen.

Ein weiteres Beispiel für Kaufentscheidungen auf Vergleichsportalen sind Urlaubsreisen. Hierbei sollten Internetnutzer natürlich ebenfalls darauf achten, Preise für Übernachtungen oder Flüge genau zu überprüfen. Beispielsweise ist es möglich, dass auf Portalen präsentierte Preise anfangs geringer als Angebote der Fluggesellschaften sind. Doch am Ende des Buchungsprozesses ist nicht auszuschließen, dass die Gesamtpreise dann die Offerten der Airlines übersteigen. Mögliche Gründe für diese Preisentwicklung sind individuell ausgewählte Servicegebühren oder Zahlungsarten. Deshalb gilt besonderes Hauptaugenmerk der Frage, welches Einsparpotential eine direkte, separate Buchung der Hotels und Flüge bieten würde.

Fazit – Den Blick ins Detail wagen

Generell sind Vergleichsportale eine gute Möglichkeit, um passende Angebote für Strom, Gas, Handys & Co. zu finden. Dennoch sollten sich Verbraucher genügend Zeit nehmen, um einzelne Angebote detailliert zu überprüfen.