
Die kalte Jahreszeit ist für Igel eine schwere Zeit. Viele Auffangstationen können kaum noch Tiere aufnehmen. Daher möchten viele Menschen die Stacheltiere mit Futter im Garten unterstützen. Die Fütterung schadet mitunter mehr als dass sie nützt. Nicht jede Art von Futter ist gut für Igel. Wenn Igel gesund sind, können sie sehr gut allein nach Futter suchen.
Falsche Zeit und falsche Fütterung
Auf der Speisekarte von Igeln stehen Raupen, Larven, Käfer, Regenwürmer und andere Kleinlebewesen. Die Tiere bevorzugen eine fett- und proteinreiche Nahrung, die jedoch arm an Kohlenhydraten ist. Wer die Igel im Winter füttern möchte, sollte Katzenfutter ohne Getreide und mit einem Fleischanteil von mindestens 70 Prozent geben. Als Alternativen eignen sich gegartes Hackfleisch oder ungewürztes Rührei. Milchprodukte, Speisereste und Obst sind für Igel tabu.
Der Igelmagen ist nicht für die dauerhafte Aufnahme von künstlichem Futter ausgelegt.
Eine ungünstige Zusammensetzung der Nahrung führt unweigerlich zu Verdauungsstörungen. Der Organismus kann geschwächt werden, doch kann es auch zu Lebererkrankungen, Problemen mit der Bauchspeicheldrüse, Nierenschäden, Übergewicht oder Zahnsteinbildung kommen. Zahnstein mag harmlos erscheinen, doch kann er auf Dauer zum Zahnverlust und damit auch zum Verhungern führen.
Selbst spezielles Igelfutter ist auf Dauer nicht geeignet. Auch wenn die Zusammensetzung und die Nährstoffbilanz auf Igel abgestimmt wurden, eignet sich dieses im Handel erhältliche Futter nicht dauerhaft als Hauptnahrung.
Steht permanent Futter für die Igel bereit, laufen sie nachts die bekannten Strecken entlang der Futterstellen ab. Sie suchen ihre natürliche Umgebung nicht mehr selbstständig nach Nahrung ab. Das kann vor allem für Jungtiere gefährlich werden, die erst die Fähigkeit zur natürlichen Futtersuche erlernen müssen.
Durch die Fütterung im Garten kann der Biorhythmus von Igeln aus dem Gleichgewicht geraten. Igel fressen sich im Herbst Fettreserven für ihren Winterschlaf an. Wird es kälter und geht das natürliche Nahrungsangebot zurück, suchen Igel ihre Winterquartiere auf. Zumeist starten sie bei Temperaturen unter sechs Grad Celsius, zwischen Ende Oktober und Mitte November, in den Winterschlaf.
Jungtiere, die erst im September geboren wurden, und Igelweibchen, die noch geschwächt von der Aufzucht der Jungen sind, bleiben oft noch bis in den Dezember hinein aktiv. Sie gehen mitunter nicht in den Winterschlaf, wenn sie in dieser Zeit weiterhin gefüttert werden. Um das zu vermeiden, sollte die Fütterung ab dem ersten Frost komplett eingestellt werden.

Fütterung von Igeln im Garten
Der Artenschwund und der Klimawandel stellen für Igel eine Bedrohung dar. Im Notfall kann eine Zufütterung den Tieren das Leben retten, doch sie ist nur dann nötig, wenn sie schwach oder unterernährt erscheinen. Im Spätherbst können Jungtiere oder Weibchen unterernährt sein. Im zeitigen Frühjahr ist das Nahrungsangebot für Igel aufgrund des gefrorenen Bodens noch gering.
Igel sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere.
Es ist daher fast immer ein schlechtes Zeichen, wenn sie tagsüber unterwegs sind. Bei der Beurteilung kann ein Blick auf die Körperform helfen. Ist ein Igel unterernährt, hat er eine schmale, längliche Körperform. Manchmal hat er im Nacken eine Einbuchtung, den sogenannten Hungerknick. Im Schulterbereich ist der Igel am breitesten.
Wohlgenährte Igel sind an einer rundlichen Statur erkennbar und sind vorn schmaler als hinten. Sie weisen eine Birnenform auf.
Im Zweifelsfall sollten die Igel gewogen werden. Ein Jungigel muss mindestens 500 bis 600 Gramm wiegen, um unbeschadet durch den Winterschlaf zu kommen. Erwachsene Igel sollten mindestens ein Gewicht von 1.000 Gramm haben. Wirkt ein unterernährter Igel ansonsten gesund, kann er vorübergehend gefüttert werden.

Futter zeitlich begrenzt bereitstellen
Igel sind im Normalfall Einzelgänger. Daher sollte eine Futterstelle nur für ein hilfsbedürftiges Tier zugänglich sein. Würden die Futterstellen für mehrere Igel zugänglich sein, käme es zum Konkurrenzdruck. Die Gefahr der Krankheitsübertragung würde steigen.
Der Igel sollte am besten kurz nach der Dämmerung gefüttert werden. Um zu verhindern, dass andere Tiere wie Marder, Füchse, Waschbären oder Katzen angelockt werden, sollten Futterreste entfernt werden, wenn der Igel gefressen hat.
Ein spezielles Igel-Futterhaus, das mit Steinen beschwert wird, kann Nahrungskonkurrenten fernhalten.
Damit der Verdauungstrakt nicht überfordert wird, sollte der Igel nicht mehr als 20 bis 30 Gramm Futter erhalten. Ist ein Igel aus dem Winterschlaf erwacht, kann die Futtermenge langsam gesteigert werden. So kann das Tier an Gewicht zulegen. Igel sollten niemals zu viel Futter auf einmal erhalten. Eine tägliche Gewichtszunahme von 10 bis 20 Gramm ist ideal. Die Fütterung wird eingestellt, wenn der Igel ein gesundes Gewicht erreicht hat.
Igel nicht ohne Weiteres aus der Natur entnehmen
Igel sollten nur nach der Rücksprache mit Fachpersonen, beispielsweise von Igel-Auffangstationen, aus der Natur entnommen werden. Wer sich für Igel engagieren möchte, kann einen in einer Auffangstation aufgepäppelten Igel bei sich aufnehmen und dann im Frühjahr im Garten freilassen. Es ist wichtig, sich genau über die Futtermenge und die Zusammensetzung des Futters beraten zu lassen.
Ist der Boden frostfrei und werden die ersten Sträucher grün, kann der Igel ausgewildert werden. Die Nahrungstiere der Igel werden dann wieder aktiv. In den ersten Tagen nach dem Auswildern sollten noch kleine Mengen an Futter und frisches Wasser bereitgestellt werden. Der Igel wird sich schnell wieder auf die natürlichen Gegebenheiten einstellen.
Ein igelfreundliches Umfeld lässt sich mit immergrünen Sträuchern, Laubbäumen und Hecken schaffen. Auch Totholzhaufen, Wasserstellen und insektenfreundliche Pflanzen schaffen gute Bedingungen für Igel.







