Deutsche Wissenschaftler forschen an einer neuen Therapie gegen Corona
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Deutsche Wissenschaftler forschen an einer neuen Therapie gegen Corona

Die Corona-Pandemie hält uns seit einem Jahr auf Trab. Vermutlich jeder Mensch auf dieser Erde wünscht sich nichts sehnlicher als ein schnelles Ende. Neben präventiven Maßnahmen, wie Masken tragen, aktuellen Maßnahmen, wie Lockdown und Kontaktreduzierungen sowie einer Impfkampagne, könnte nur noch eine Sache helfen: Wirkungsvolle Medikamente und Therapien.
Bis dato gibt es noch keine oder nur wenige aussichtsreiche Therapieansätze gegen Covid-19. Deshalb forschen Wissenschaftler aus Deutschland jetzt an einer zielgerichteten Therapie gegen SARS-CoV-2.

Forschungsprojekt 2021

Vor kurzem startete das Forschungsprojekt mit dem Ziel, Medikamente und Therapien gegen das Coronavirus zu entwickeln. Mit dabei sind Forschende der Friedrich-Schiller-Universität Jena, des Leibniz-Instituts für Infektionsbiologie und Naturstoff-Forschung (Hans-Knöll-Institut, kurz HKI) und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Außerdem forschen Mitarbeiter des Leibniz-Instituts für Experimentelle Virologie Hamburg und des Heinrich-Pette-Instituts mit.

Die Wissenschaftler vereinen ihre Expertisen in diversen Bereichen, um wirkungsvolle Medikamente und Therapien zu entwickeln.

Damit die Virologen, Infektionsmediziner und Wirkstoffentwickler zusammen etwas für die Bewältigung des Virus tun können, werden sie natürlich unterstützt. Ungefähr 2,3 Milliarden Euro kommen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Forscherin im Labor
Vor kurzem startete das Forschungsprojekt mit dem Ziel, Medikamente und Therapien gegen das Coronavirus zu entwickeln

Ziel: Eliminierung des Virus

Das Ziel des Projekts, nämlich die Eliminierung des Virus durch unser Immunsystem, verfolgt einen neuartigen Therapieansatz. Die hier gewonnenen Erkenntnisse sollen zudem dabei helfen, in Zukunft und im Fall neuer Infektionsausbrüche schneller Medikamente herstellen zu können. Erreicht werden soll sozusagen eine Unterstützung des Immunsystems.

Die Forscher wollen erreichen, dass das menschliche Immunsystem in der Lage dazu ist, eigenständig und zielgerichtet auf Viruspartikel zu reagieren und diese schlussendlich zu beseitigen. Zwischen menschlicher Zelle und Virus gibt es eine hochspezifische Wechselwirkung. Und genau die machen sich die Wissenschaftler zu Nutze: Ein Oberflächenprotein des Virus (Spike-Protein) soll mit den Rezeptoren der menschlichen Zelle interagieren. Aktuell können menschliche Immunzellen das Virus nicht sofort aufnehmen und eliminieren, da es zu klein ist.

Eliminierung des Virus
Das Ziel des Projekts, nämlich die Eliminierung des Virus durch unser Immunsystem, verfolgt einen neuartigen Therapieansatz

Schlüssel-Schloss-Prinzip im Detail

Um dieses Schlüssel-Schloss-Prinzip (Interaktion von Virus mit Rezeptoren) auszunutzen, entwickeln Forschende des Leibniz HKI maßgeschneiderte Aggregate, die nach dem Vorbild des Rezeptors der menschlichen Zelle hergestellt werden.

Ziel ist es, dass sich die Viren nicht mehr an menschliche Zelle, sondern an die künstlichen Rezeptoren binden.

Auf diese Weise könnten Zellen unseres Immunsystems Corona erkennen und schnell/selbstständig zerstören. Im Labor sollen die potenziellen neuen Wirkstoffe dann auf Verträglichkeit und Funktionalität analysiert werden. Überprüft werden soll auch die Möglichkeit, diese therapeutisch zu nutzen. Als Basis der maßgeschneiderten Aggregate werden synthetische Makromoleküle genommen. Diese werden mit Rezeptor-Einheiten dekoriert und zu Nanopartikeln formuliert. Dank der Rezeptor-Einheiten auf der Oberfläche der Aggregate können sich die Viren binden.

Entwickelt am Leibnitz-HKI, überprüft in Würzburg

Ob der entwickelte Wirkstoff tatsächlich dazu in der Lage ist, eine Infektion mit Corona zu verhindern, wird in Würzburg geprüft. Hier soll herausgefunden werden, ob die künstlichen Aggregate die Viren wirklich blocken und so kennzeichnen, dass das Immunsystem sie sozusagen erkennt und bekämpfen kann. Solange wir nicht geimpft sind, sind wir nur teilweise in der Lage uns gegen Corona zu wehren. Der Grund dafür ist, dass das Immunsystem erst dann alarmiert wird, wenn die Viren schon längst in die Zelle eingedrungen sind.

Und selbst dann handelt es sich um eine unspezifische Immunantwort. Sollte das Forschungsprojekt erfolgreich sein, dann würde unser Immunsystem die Viren erkennen können, bevor diese die Zellen befallen haben und es gezielt eliminieren.

Echte Viren? Nein, danke

Aus Sicherheitsgründen arbeiten die Forscher natürlich nicht mit echten Viren. Sogenannte „Pseudo-Viren“ imitieren die Hülle des Corona Virus, haben dabei jedoch keine der schädlichen Eigenschaften des Virus. Wenn das maßgeschneiderte Aggregat auf dieser Hülle sitzt, können die Forschenden in Würzburg untersuchen, ob die Immunzellen wie erhofft darauf anspringen. Sollte der Versuch von Erfolg gekrönt sein, steht in Zukunft eine Art Baukasten zur Verfügung. Mit Hilfe dieser Technik können auch Medikamente gegen hypothetische andere Viren schneller hergestellt werden.