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Was bedeutet die Reform des Heizungsgesetzes?

Was bedeutet die Reform des Heizungsgesetzes?
Was bedeutet die Reform des Heizungsgesetzes? | Foto: ©Andrey Popov #56101797 – stock.adobe.com

Das sogenannte Heizungsgesetz, bei dem es sich um das Gebäudeenergiegesetz handelt, soll reformiert werden. Mit Spannung wurde erwartet, welche Änderungen vorgenommen werden sollen. Gas- und Ölheizungen bleiben weiterhin erlaubt. Union und SPD einigten sich darauf, dass neue Heizungen nicht unbedingt zum Großteil mit Erneuerbaren Energien betrieben werden müssen.

Kernpunkte der Reform des Gebäudeenergiegesetzes

Die Union setzte sich dafür ein, das Gebäudeenergiegesetz abzuschaffen. Union und SPD haben sich auf eine Reform geeinigt. Das sind die Kernpunkte:

  • Immobilienbesitzer dürfen auch künftig in ihre Wohnhäuser Gas- und Ölheizungen einbauen lassen.
  • Die pauschale Pflicht, jede neu eingebaute Heizung mit mindestens 65 Prozent Erneuerbaren Energien zu betreiben, fällt weg. Fachleute warnten im Vorfeld davor, diese 65-Prozent-Regel aufzugeben.
  • Gas- und Ölheizungen müssen ab Januar 2029 mit einem steigenden Anteil an klimafreundlichen Kraftstoffen betrieben werden. Biomethan kann ebenso genutzt werden wie synthetische Kraftstoffe aus unterschiedlichen Ausgangsstoffen.
  • Der CO2-Preis, der für fossile Brennstoffe gilt, soll auf den Anteil an klimafreundlichen Kraftstoffen nicht erhoben werden. Das soll ein Anreiz für einen Umstieg sein.
Union und SPD haben sich auf eine Reform geeinigt
Union und SPD haben sich auf eine Reform geeinigt | Foto: ©Stihl024 #902767319 – stock.adobe.com

Was sind klimafreundliche Brennstoffe?

Laut Koalition zählt Biomethan zu den klimafreundlichen Brennstoffen. In Biogasanlagen kann es aus Gülle, Raps, Stroh und anderen Ausgangsstoffen hergestellt werden. Es entsteht jedoch auch in Mooren. Verschiedene Arten von Wasserstoff und synthetisch erzeugtes Methan gelten ebenfalls als klimafreundlich.

Als klimafreundlich wird auch Bioheizöl eingestuft, das beim Öko-Landbau aus Sonnenblumenöl, Raps oder Soja hergestellt wird.

Heizöl verfügt bislang jedoch nur über einen geringen Anteil solcher klimafreundlicher Bestandteile. Ingbert Liebig, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), sagt, dass es bislang nicht genug Biomethan und Wasserstoff gibt.

Der Erdgasverbrauch für Raumwärme und Warmwasser lag im Jahr 2024 in deutschen Haushalten bei ungefähr 245 Terawattstunden (TWh), wie Kerstin Andrae, die Vorsitzende des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur angab. Dieser Verbrauch wird aufgrund der stärkeren Nutzung von Wärmepumpen künftig sinken.

Die heutige Nutzung von Biomethan liegt bei ungefähr zehn TWh und ist ausbaufähig. Bis zum Jahr 2030 könnten 50 bis 100 TWh Biomethan hergestellt werden. Es kommt jedoch auch auf die konkurrierende Nutzung dieser Stoffe in Verkehr und Industrie an.

Laut Koalition zählt Biomethan zu den klimafreundlichen Brennstoffen
Laut Koalition zählt Biomethan zu den klimafreundlichen Brennstoffen | Foto: ©Countrypixel #593343033 – stock.adobe.com

Umrüstung der Heizung für klimafreundliches Gas nicht immer erforderlich

Ob die Heizung für klimafreundliches Gas umgerüstet werden muss, hängt von der Art des Gases ab. Biomethan erfordert keine Umrüstung, da es technisch genauso wie Erdgas verwendet und über die bestehenden Netze transportiert werden kann. In vielen Gasleitungen fließt bereits ein geringer Anteil Biomethan.

Eine Umrüstung muss bei der Nutzung von Wasserstoff erfolgen, da er grundlegend andere brenntechnische Eigenschaften als Erdgas hat. Es ist technisch möglich, ihn zum Erdgas beizumischen, sodass eine Anpassung bei den Endgeräten nicht erfolgen muss. Die Beimischung kann jedoch nur mit 10 bis 20 Prozent erfolgen.

Die Leitungen müssten bei einem höheren Anteil auf Dauer angepasst werden.

Noch ist unklar, ob eine Beimischung von Wasserstoff zum Erdgas geplant ist. Die Bundesregierung plant parallel neue gesetzliche Grundlagen, wie die Netzbetreiber eine geordnete Stilllegung von Gasnetzen vornehmen sollen.

Viele offene Fragen für den Klimaschutz

Für den Klimaschutz bleiben viele Fragen offen. In einem Begleitpapier von Union und SPD heißt es, dass die Koalition auf die Entscheidung der Bürger für die richtige Heizungsart vertraut. Wer noch mit fossilen Brennstoffen heizt, muss künftig den Anteil an klimafreundlichen Brennstoffen sukzessive erhöhen.

Beim Austausch einer Gas- oder Ölheizung ab Inkrafttreten der Reform gilt die Bio-Treppe. Das bedeutet, dass die Heizung mit einem wachsenden Anteil an klimafreundlichen Brennstoffen betrieben werden muss.
Der Anteil an klimafreundlichen Brennstoffen soll 2029 mindestens 10 Prozent betragen. Bis 2040 soll er in drei Schritten steigen. Bislang ist unklar, wie hoch der Anteil 2040 sein soll. Für Energieversorger gilt die Grüngasquote. Sie müssen einen Anteil an klimafreundlichen Brennstoffen liefern. Ab 2028 soll dieser Anteil bis zu ein Prozent betragen.

Umweltverbände sind von diesen Plänen der Koalition nicht überzeugt, da klimafreundliche Gase nicht in ausreichenden Mengen verfügbar sind. In der Industrie und anderen Sektoren werden sie dringender benötigt, wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erklärt.
Laut Sibylle Braungardt vom Freiburger Öko-Institut könnten mit der bisherigen Vorgabe von 65 Prozent offiziellen Berechnungen zufolge von 2024 bis 2030 ungefähr 30 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Im Jahr 2030 wären das allein 10 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Mit der Versorger-Quote werden hingegen nur ungefähr zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart.

Austausch einer Gas- oder Ölheizung
Beim Austausch einer Gas- oder Ölheizung ab Inkrafttreten der Reform gilt die Bio-Treppe | Foto: ©rupbilder #127726358 – stock.adobe.com

Auswirkungen für Miethaushalte

Für Miethaushalte drohen Mehrkosten, da Gas und Öl mit Bioanteil teurer sind. Biogas verursacht für ein Einfamilienhaus mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 23.000 Kilowattstunden monatlich bis zu 16 Euro Mehrkosten. Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3.000 Litern Bioöl liegen die monatlichen Mehrkosten bei ungefähr 23 Euro.

Neue Gasheizungen sollen ab 2029 mindestens einen Anteil von 10 Prozent an klimafreundlichem Gas nutzen. Der aktuelle Durchschnittspreis dieser Gastarife liegt laut einer Analyse des Vergleichsportals Verivox um etwa 25 Prozent über den herkömmlichen Erdgastarifen.

Das macht bei einem Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden jährlich ungefähr 492 Euro Mehrkosten aus.

Die Koalition spricht davon, dass Mieter, die nicht selbst über die Heizung entscheiden können, vor zu hohen Nebenkosten durch einen unwirtschaftlichen Heizungstausch geschützt werden sollen. Details liegen dazu noch nicht vor.

Künftige Förderung von Wärmepumpen noch unklar

Wie die Förderung von Wärmepumpen beim Austausch der Heizung künftig gestaltet werden soll, ist noch unklar. Die SPD spricht sich für eine stärker sozial gestaffelte Förderung aus.
Die Förderung von Wärmepumpen bleibt bis auf Weiteres in der jetzigen Form erhalten. Im Eckpunktepapier heißt es, dass die Förderung bis mindestens 2029 sichergestellt ist.