Anbindehaltung von Rindern soll in Niedersachsen verboten werden

Die Anbindehaltung von Rindern ist umstritten. Die Kühe sind im Stall fixiert und können sich kaum bewegen und nicht umdrehen. Tierschützer prangern diese Art der Rinderhaltung schon lange an. Als erstes Bundesland will Niedersachsen die Anbindehaltung verbieten.
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Was Anbindehaltung für die Tiere bedeutet
Die Tierschutzorganisation PETA beschreibt die Anbindehaltung von Rindern als unzumutbares körperliches und psychisches Leid für die Tiere. Da sich die Rinder kaum bewegen können, müssen sie immer am selben Ort liegen, stehen, ruhen, fressen und ihre Ausscheidungen verrichten. Sie liegen daher oft in ihren eigenen Ausscheidungen.
Die Anbindehaltung wird auch von der Tierschutzstiftung Vier Pfoten kritisiert. Vom sechsten Lebensmonat an werden die Tiere an einer einzigen Stelle bewegungslos fixiert. Sie stehen teilweise durchgehend mit dem Kopf zu einer Stallwand.
Häufig führt diese Haltung zu schmerzhaften Gelenkproblemen, da sich die Tiere kaum bewegen können. Die beengenden Verhältnisse können auch zu Trittverletzungen führen.
In Deutschland leben noch ungefähr eine Million Rinder in Anbindehaltung. Diese Haltung ist dennoch zwangsläufig erlaubt. Laut Vier Pfoten wird sie von den Behörden nicht explizit verboten und wird geduldet.
Wie das niedersächsische Agrarministerium im Mai 2025 angab, gibt es in Niedersachsen insgesamt 17.969 landwirtschaftliche Betriebe mit Rinderhaltung. Sie halten mehr als 2,5 Millionen Tiere. Schätzungen des Ministeriums zufolge könnten in deutlich mehr als 1.000 Betrieben Rinder in Anbindehaltung gehalten werden.
Die Tierschutzorganisation PETA gibt an, dass Niedersachsen über den bundesweit zweitgrößten Bestand an Rindern in Anbindehaltung verfügt. Der Anteil der Rinder in Anbindehaltung liegt in Niedersachsen bei knapp 7 Prozent. In absoluten Zahlen sind das ungefähr 170.000 Rinder. Bayern verfügt über den deutschlandweit größten Bestand an Rindern in Anbindehaltung.

Was Niedersachsen mit dem Verbot der Anbindehaltung erreichen will
Miriam Staudte (Grüne), die niedersächsische Landwirtschaftsministerin, will mit dem Verbot der Anbindehaltung mehr Tierschutz in der Nutztierhaltung erreichen. Sie begründet das damit, dass die Anbindehaltung nicht mit den Anforderungen des Tierschutzgesetzes vereinbar ist.
Das Tierschutzgesetz schreibt vor, dass ein Tier entsprechend seiner Art und seinen Bedürfnissen ernährt und gepflegt sowie verhaltensgerecht untergebracht werden muss.
Das Bundeslandwirtschaftsministerium legte bereits 2024 einen Referentenentwurf zur Änderung des Tierschutzgesetzes vor. Darunter waren auch Regelungen zur Anbindehaltung. Mit dem Aus der Ampel-Regierung wurde dieser Entwurf nicht mehr beachtet.

Die Meinung der Landwirte zum Ende der Anbindehaltung in Niedersachsen
Der Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, Frank Kohlenberg, spricht davon, dass der Landesbauernverband klar hinter dem Ausstieg aus der Anbindehaltung steht, obwohl er ihn kritisch sieht. Der Ausstieg muss mit Augenmaß und praxisnah erfolgen. Der Landesbauernverband sieht sich als konstruktiver Partner der Landwirtschaftsbetriebe und der Politik.
Laut Frank Kohlenberg ist Planungssicherheit für die betroffenen Landwirte unverzichtbar.
Für den Umbau zur Laufstallhaltung müssen realistische Übergangsfristen gewährt werden. Die Landwirte benötigen lange und verlässliche Zeitfenster. Wichtig ist auch eine ausreichende finanzielle Förderung.
Gelder werden nicht nur für den eigentlichen Umbau, sondern auch für die Beratung und für baurechtliche Verfahren benötigt. Das Baurecht muss entsprechend angepasst werden. Landwirte sollen schnell und unbürokratisch investieren können.
Haltung der Tierschützer zum Vorstoß von Niedersachsen
Julia Weibel, Fachreferentin bei der PETA Deutschland, bedankt sich im Namen der PETA beim niedersächsischen Landwirtschaftsministerium für den Vorstoß zum Ausstieg aus der Anbindehaltung von Rindern. Sie fordert, dass auch Bayern und Baden-Württemberg aus der Anbindehaltung aussteigen.
Die PETA hat bislang eigenen Angaben zufolge mehr als 100 Anbindehaltungen angezeigt. Auch ein Rinderbetrieb aus Burgwedel und mehrere Landwirte aus dem Landkreis Cloppenburg waren dabei.
Volker Gaßner von der Geschäftsführung von Vier Pfoten begrüßt den Ausstieg von Niedersachsen aus der Anbindehaltung. Er spricht von einem Weckruf für den Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CDU), die Anbindehaltung bundesweit zu verbieten. Er spricht sich auch gegen eine saisonale Anbindehaltung aus.







