FORL bei Katzen und warum die Behandlung möglichst frühzeitig erfolgen sollte

Viele Katzenbesitzer sind besorgt, wenn ihr vierbeiniger Liebling das Futter verweigert und an Gewicht verliert. Dahinter kann die Zahnerkrankung FORL (feline odontoklastische resorptive Läsionen) stecken. Ungefähr jede zweite Katze ab einem Alter von fünf Jahren leidet darunter. Die Erkrankung kann aber auch schon früher auftreten. Eine Heilung ist nicht möglich, doch ist diese Zahnkrankheit gut behandelbar.
Inhaltsverzeichnis
Was ist FORL?
FORL ist die am häufigsten auftretende Zahnerkrankung bei Katzen und wird mitunter auch als Katzenkaries bezeichnet, da sie die Zähne zerstört. Karies wird jedoch durch Säuren und Bakterien im Zahnbelag verursacht und zerstört die Zähne von außen. Bei Katzen tritt Karies nicht auf.
Anders als Karies ist FORL eine degenerative Erkrankung, bei der die Zahnwurzeln und die Zähne von innen durch körpereigene Zellen, die Odontoklasten, aufgelöst werden.
Die Zahnerkrankung kann äußerst schmerzhaft sein, doch Katzen leiden still und lassen sich nicht immer ihre Schmerzen anmerken.

Häufigkeit von FORL
Von FORL sind zahlreiche Katzen betroffen. Laut einer Studie sind bereits 25 bis 50 Prozent der Katzen im Alter von vier bis fünf Jahren erkrankt. Von den Tieren ab einem Alter von zehn Jahren leiden sogar bis zu 75 Prozent an FORL.
Häufig sind die Befunde beidseitig symmetrisch und multipel.
Der dritte Prämolar im Unterkiefer ist am häufigsten erkrankt. Seltener trifft die Krankheit die Eckzähne.
Bei bestimmten Katzenrassen wie Siam- oder Perserkatzen kann FORL verstärkt auftreten.

Verlauf von FORL
Die Odontoklasten verursachen bei FORL Löcher in der Zahnsubstanz der Katzen, indem sie die knochenähnliche Substanz Dentin abbauen. Bei jungen Katzen bauen die Odontoklasten die Substanz der Milchzähne ab und regen damit den Zahnwechsel an.
Erkranken erwachsene Katzen an FORL, werden die Odontoklasten aus bislang ungeklärten Gründen reaktiviert. Immunologische Prozesse können dabei eine Rolle spielen.
Die Substanz wird bei FORL in den meisten Fällen zuerst an den Zahnwurzeln abgebaut, doch kann die Krankheit auch an den Zahnhälsen beginnen. In Zahnwurzeln und Zahnhälsen entstehen mit der Zeit tiefe Löcher.
Im Endstadium der Krankheit ist auch die Zahnkrone betroffen.
Die Veränderungen an den Zähnen sind erst dann mit bloßem Auge sichtbar. Neben den kleinen Löchern in den Zähnen kann das Zahnfleisch gerötet und entzündet sein.
Durch den fortschreitenden Substanzverlust liegen die empfindlichen Nervenenden im Zahn zunehmend frei; da sie dabei funktionsfähig bleiben, verursacht die Krankheit starke Schmerzen. Wird die Krankheit nicht behandelt, kann es zu Entzündungen und Organschädigungen kommen.
Typen und Stadien von FORL
Bei FORL unterscheidet das American Veterinary Dental College drei verschiedene Krankheitstypen:
- Typ 1 wird häufig von Parodontitis begleitet. Die Zahnwurzel bleibt erhalten. Der Parodontalspalt ist erkennbar.
- Bei Typ 2 verschwindet der Parodontalspalt beim Röntgen. Nach und nach wird die Zahnwurzel durch Knochen ersetzt.
- Typ 3 ist eine Mischform der beiden Typen, die am selben Zahn auftreten.
Die Erkrankung verläuft bei allen drei Typen abhängig von der Tiefe und vom Umfang der Läsionen in fünf Stadien. Im ersten Stadium ist die Zahnschmelzveränderung nur oberflächlich. Im fünften Stadium ist der Zahn nahezu vollständig resorbiert.

Symptome bei FORL
Katzen versuchen, sich die Schmerzen nicht anmerken zu lassen. Selbst für Tierärzte ist die Krankheit mit bloßem Auge nur schwer erkennbar, wenn sie noch nicht weit fortgeschritten ist. Erste Hinweise können kleine, über die Zahnhälse nach oben wachsende Zahnfleischverdickungen sein.
Verschiedene Symptome können Hinweise auf FORL sein:
- Mundgeruch
- Katze verweigert das Futter
- Aus dem Maul fallende Futterbrocken
- Einseitiges Kauen
- Zahnfleischentzündungen
- Schmatzen und Speicheln bei der Futteraufnahme
- Lecken über das Maul
- Reiben mit den Pfoten über das Maul
- Schiefhaltung des Kopfes
- Zähneknirschen
- Fressunlust und Verweigern des Futters
- Klappern mit dem Kiefer
- Hastiges Fressen und Hinunterschlingen des Futters
- Häufiges Kopfschütteln
- Aussortieren von harten und weichen Bestandteilen aus dem Futter
- Abgebrochene oder fehlende Zähne
Ursachen von FORL
Die Ursachen von FORL sind noch nicht vollständig erforscht. Ein Überschuss an Vitamin D in kommerziellem Katzenfutter kann ebenso wie eine genetische Veranlagung als Ursache in Frage kommen. Auch ein Mangel an Calcium und Störungen im Calcium- und Phosphat-Stoffwechsel können zu FORL führen.
FORL kann durch Erkrankungen des Zahnhalteapparates wie Parodontitis, chronische Entzündungsprozesse in der Maulhöhle und häufiges Erbrechen begünstigt werden.

Diagnose und Behandlung von FORL
Beim Verdacht auf FORL begutachtet der Tierarzt Zahnfleisch und Zähne der Katze. Er legt das Tier in Narkose und fertigt mehrere detaillierte Röntgenbilder des Gebisses an. Um dem Tier eine weitere Narkose zu ersparen, kann er gleich im Anschluss an die Röntgenuntersuchung die Behandlung vornehmen.
Die Behandlung erfolgt in Narkose. Zumeist werden die gesunden Zähne gereinigt.
Abhängig vom Stadium und Ausmaß der Erkrankung können einzelne Zähne komplett mit Wurzel entfernt werden. Mitunter werden nur die Zahnkronen entfernt. Die Wunden werden vernäht. Ein erneuter Tierarztbesuch zur Nachsorge ist oft nicht notwendig, da sich die Fäden selbst auflösen.
Um Entzündungen und Schmerzen vorzubeugen, erhält die Katze Antibiotika und Schmerzmittel.
Prognose bei FORL
Nach der Behandlung erholt sich die Katze zumeist schnell. Sie kann oft schon am nächsten Tag wieder richtig fressen. Nach einer erfolgreichen Behandlung benötigt die Katze kein Spezialfutter. Auch wenn alle Zähne komplett entfernt wurden, kann das Tier normal fressen. Katzen benötigen die Zähne lediglich zum Packen und Zerkleinern der Beute.
Viele Katzenbesitzer berichten davon, dass ihre Katze nach dem Eingriff wieder besser als vorher frisst und aktiver ist. Sie hat wieder an Lebensqualität gewonnen. Die Lebenserwartung ist nicht eingeschränkt.
Um dem Auftreten von FORL vorzubeugen, sollte der Tierarzt einmal im Jahr einen genauen Blick auf die Zähne des Tiers werfen. Denn je früher FORL erkannt und behandelt wird, desto eher lassen sich starke Schmerzen sowie mögliche Folgeschäden wie Entzündungen oder Organschädigungen vermeiden.







