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Steht der stärkste El Niño, der je gemessen wurde, bevor?

Stärkster jemals gemessener El Niño und mögliche dramatische Folgen
Stärkster jemals gemessener El Niño und mögliche dramatische Folgen | Foto: ©SM #2085617553 – stock.adobe.com

Etwa alle zwei bis sieben Jahre tritt das Wetterphänomen El Niño auf, dessen Folgen verheerend sein können. Es kann Überschwemmungen, Hitzewellen und Dürreperioden geben. Ende 2026 könnte der bislang stärkste El Niño seit Beginn der modernen Messungen im Jahr 1950 auftreten, wobei die US-Klimabehörde NOAA die Wahrscheinlichkeit dafür im September 2026 auf 75 Prozent schätzte. Laut NOAA beträgt sie für ein sehr starkes Ereignis über 90 Prozent.

Wie entsteht der El Niño?

Das Phänomen, dass sich das Meer in unregelmäßigen Abständen ungewöhnlich stark erwärmt und die Fischerträge zurückgehen, bemerkten Fischer in Peru bereits vor Hunderten von Jahren. Die Fischer nannten diese Naturerscheinung El Niño, der Junge, in Anspielung auf das Christkind, da sie häufig um die Weihnachtszeit auftrat. Der Name ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts belegt.

Es gibt historische Dokumente aus Peru, die auf El-Niño-Ereignisse hinweisen und bis ins 16. Jahrhundert (ab 1525) zurückreichen. Zudem wird vermutet, dass El Niño im 6. und 7. Jahrhundert zum Niedergang der Moche-Kultur an der Nordküste Perus beitrug.

El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen. Es entsteht, wenn sich im zentralöstlichen Pazifik das Oberflächenwasser stark erwärmt. Die darüber befindliche Luftzirkulation kehrt sich in der Folge um, was gravierende Auswirkungen auf das lokale Wettergeschehen hat.

Die umliegenden Kontinente sind von Dürren, Hitzewellen und starken Niederschlägen betroffen. Indirekte Folgen von El Niño machen sich auch in Europa bemerkbar. Das Klimaphänomen lässt sich nur schwer vorhersagen. Weltweit kann es die Lebensgrundlage von Menschen gefährden.

Die Passatwinde wehen über dem Äquatorial-Pazifik im Normalfall von Ost nach West. Das warme Oberflächenwasser wird von der Küste Südamerikas in Richtung Indonesien und Australien getrieben. Im Ozean von Südamerika steigt kaltes, nährstoffreiches Wasser auf.

Der Temperaturunterschied zwischen dem zentral-östlichen und dem westlichen Pazifik beträgt im Normalfall ungefähr zehn Grad. In Verbindung mit den Passatwinden kommt es im Westen zu starken Niederschlägen. Die Küstenregionen Lateinamerikas sind normalerweise trocken.

Die Passatwinde werden beim El Niño schwächer. Das warme Wasser breitet sich nach Osten aus und staut sich vor Südamerika auf. Durch das warme Oberflächenwasser kann das kalte Wasser aus den Tiefen des Ozeans vor Südamerika nicht aufsteigen. Der Ostpazifik erwärmt sich überdurchschnittlich.

Forscher beschäftigen sich mit den genauen Ursachen für das Auftreten eines El Niño. Ein El Niño baut sich anders als ein Tsunami über Monate auf und kann mehrere Monate bis mehr als ein Jahr anhalten. Das Ereignis variiert in Dauer, Stärke und Auswirkungen.

Wie entsteht der El Niño?
Wie entsteht der El Niño? | Foto: ©designua #59702003 – stock.adobe.com

Möglicherweise stärkster bislang gemessener El Niño wird Ende 2026 erwartet

Wissenschaftler schauten bereits Anfang 2026 mit Besorgnis auf die Entwicklung der Temperaturen im Pazifik. Anfang September 2026 berichtete die Weltorganisation für Meteorologie (World Meteorological Organization, WMO) von wöchentlichen Oberflächentemperaturen im zentral-östlichen Pazifik, die Ende Juli bis Mitte August etwa 2,2 bis 2,6 Grad über dem Durchschnitt lagen. In bestimmten Zonen unterhalb der Wasseroberfläche lagen die Temperaturen im Juli und zu Beginn des Augusts sogar über 8 Grad. Laut NOAA betrugen die Abweichungen im östlichen äquatorialen Pazifik im August bereits mehr als 3 Grad, und in der Tiefe lagen sie verbreitet über 10 Grad. Dort waren die Temperaturen zu einem so frühen Zeitpunkt im Jahr bislang noch nie so hoch.

In den kommenden Monaten wird der El Niño Angaben der WMO zufolge sehr stark werden. Er wird Ende 2026 seinen Höhepunkt erreichen und voraussichtlich bis in den Februar andauern. Die Forscher rechnen mit gravierenden Auswirkungen auf die Niederschlags- und Temperaturmuster.

UN-Generalsekretär António Guterres rechnet infolge des El Niño mit einem höheren Risiko für Überschwemmungen, Hitzewellen und Dürre.

WMO-Chefin Celeste Saulo spricht von Gefahren für Landwirtschaft, Energieversorgung und Gesundheitssysteme. Sie rief die Katastrophenschutzbehörden bereits zu geeigneten Vorkehrungen auf.

Möglicherweise stärkster bislang gemessener El Niño wird Ende 2026 erwartet
Möglicherweise stärkster bislang gemessener El Niño wird Ende 2026 erwartet | Foto: ©aapsky #2179640103 – stock.adobe.com

Auswirkungen auf die globalen Wettersysteme

Die Atmosphäre ist aufgrund des vom Menschen verursachten Klimawandels bereits stark aufgeheizt. Der aufgrund von El Niño kollabierte Wärmetausch im Pazifik wirkt sich auf die globalen Wettersysteme aus. Die langfristigen großskaligen Wettersysteme werden sich laut Auskunft des Atmosphärenforschers Andreas Petzold vom Forschungszentrum Jülich verändern.

Wolken entstehen dort, wo die warme Luft in die Atmosphäre gelangt. Sie geben Wärme in die bereits aufgeheizte Atmosphäre ab, was zu zur Veränderung der globalen Zirkulationsmuster führt.

Einfluss des El Niño auf Mitteleuropa

Auf Mitteleuropa wird der El Niño nur einen schwachen Einfluss haben. Entscheidend für das Wetter in Mitteleuropa sind plötzliche Warmphasen in der Stratosphäre, Polarwirbel über der Arktis und die Großwetterlage über dem Atlantik.

Wenn der Polarwirbel reißt, kann es trotz des El Niño zu eisiger Kälte und Schnee kommen. Ebenso kann der Winter ungewöhnlich warm werden. Zu Starkregen und Sturzfluten wird es in Europa wahrscheinlich nicht kommen.

Im Dezember könnte der Winter in Europa relativ mild werden, doch könnte im Januar extreme Kälte auftreten.

Diese Ungewissheit liegt darin, dass ein El Niño komplexe Ursachen hat, schwer vorherzusagen ist und über die Auswirkungen nur spekuliert werden kann.

Schwerwiegende wirtschaftliche Schäden erwartet

Wissenschaftler warnen davor, dass Dürren aufgrund von El Niño zu einer Verknappung der Grundnahrungsmittel in vielen Teilen der Welt führen können. Das führt zu unterbrochenen Lieferketten bis nach Europa.

Für die vergangenen El-Niño-Ereignisse errechneten US-amerikanische Forscher bereits schwerwiegende wirtschaftliche Schäden. Bei den Ereignissen von 1997 und 1998 lagen die globalen ökonomischen Schäden bei fast sechs Billionen Dollar. Der weltweite wirtschaftliche Verlust für die Zeit von 2020 bis 2099 wird auf 84 Billionen Dollar geschätzt.