Welche Spiele waren im Mittelalter beliebt?

In Baden-Württemberg wurde eine fast 1.000 Jahre alte Spielesammlung gefunden. Sie gewährt Einblicke, welche Spiele damals beliebt waren. Die von einem Forschungsteam gefundenen Spielutensilien sind noch erstaunlich gut erhalten.
Inhaltsverzeichnis
Brettspielgewohnheiten aus dem Mittelalter bislang wenig erforscht
Über das Leben der Menschen im Mittelalter wurde bereits viel erforscht. Dennoch gibt es unerforschte Bereiche, zu denen auch die Vorlieben der Menschen im Mittelalter beim Spielen gehören. Die Brettspielgewohnheiten der Menschen in Mitteleuropa waren bislang kaum bekannt. Der Grund dafür besteht darin, dass nur wenige Funde vorhanden sind, die darüber informieren könnten.
Ein Team deutscher Archäologen hat in einer mittelalterlichen Burg in Süddeutschland eine kleine Spielesammlung gefunden, die mindestens 800 Jahre alt ist.
Neben Spielsteinen und einem Würfel enthält die Spielesammlung auch eine Schachfigur.

Deutschland und seine frühe Spielkultur
Die mittelalterliche Spielesammlung wurde im Ortsteil Holzelfingen gefunden, der zur Gemeinde Lichtenstein in Baden-Württemberg gehört. Die Forscher entdeckten die Spielfiguren im Jahr 2022 bei Ausgrabungen an einer alten Burganlage. Diese Burganlage war über lange Zeit unbekannt und bislang kaum erforscht. Das Team aus Forschern der Universität Tübingen, des Deutschen Archäologischen Instituts und des Landesamtes für Denkmalpflege fanden die verschiedenen Objekte im Schutt einer Mauer. Michael Kienzle, der an der Universität Tübingen als Archäologe tätig ist, vermutet, dass die Figuren dort versteckt wurden oder verlorengegangen sind.
Zur Spielesammlung gehören vier blütenförmige Spielsteine, an denen sich noch Reste von roter Farbe befinden. Weiterhin gehört ein sechsseitiger Würfel zur Sammlung. Den Höhepunkt bildet eine Pferdefigur mit plastisch ausgeformten Details von Augen und Mähne. Es handelt sich um einen Springer, eine Schachfigur. Wie das Forscherteam berichtet, wurden alle Teile der Spielesammlung aus Hirschgeweih geschnitzt.
Schachspiel im Mittelalter
Das Abnutzungsmuster der Pferdefigur lässt darauf schließen, dass sie tatsächlich zum Schachspiel verwendet wurde. Flavia Venditti von der Universität Tübingen berichtet davon, dass unter dem Mikroskop der typische Glanz vom Halten und Bewegen der Spielfigur erkennbar ist.
Die Spuren vermitteln den Anschein, dass diese Pferdefigur bereits damals angehoben wurde, um zu springen.
Demzufolge waren die Regeln für das damalige Schachspiel den heutigen Spielregeln schon erstaunlich ähnlich.
Fund aus der Anfangszeit des Schachspiels in Europa
Die im Landkreis Reutlingen gefundenen Spielfiguren stammen aus dem 11. oder 12. Jahrhundert. In dieser Zeit kam das Schachspiel nach Europa. Vermutlich hat dieses Logikspiel seinen Ursprung in Indien. Es entwickelte sich wahrscheinlich aus dem indischen Brettspiel Chaturanga, das wahrscheinlich schon seit 600 nach Christus gespielt wurde.
Chaturanga gelangte über Persien in die arabische Welt. Dort verwandelte es sich vermutlich erstmals in Schach. Vor über 1.000 Jahren gelangte Schach von der arabischen Welt nach Europa.
Im Mittelalter waren neben Schach in Europa auch verschiedene Strategiespiele beliebt. Dazu zählen auch Backgammon und Vorläufer des Damespiels. Die Menschen spielten auch schon im Mittelalter mit Karten.
Der Fund einer Schachfigur ist zwar selten, doch ist der Fundort keine Überraschung für die Forscher. Jonathan Scheschkewitz vom Landesamt für Denkmalpflege weist darauf hin, dass das Schachspiel im Mittelalter bereits zu den sieben Fähigkeiten zählte, die ein guter Ritter beherrschen sollte. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die bislang bekannten Funde zumeist von Burganlagen stammen.

Brettspiele im Mittelalter
Nicht nur Schach, sondern auch einige andere Brettspiele sind bereits seit dem Mittelalter als Gesellschaftsspiele bekannt. Das Schachspiel war unter anderem in einer besonderen Form verbreitet: dem sogenannten byzantinischen Schach bzw. Rundschach, das auf einem kreisrunden Brett gespielt wurde. Backgammon war bei der breiten Masse beliebt und wurde als Tric Trac bezeichnet. Tablut war ein weiteres Brettspiel. Ein Spielstein stellte den König dar; eine Partei musste ihn beschützen und an den Spielfeldrand bringen, während die andere Partei versuchte, ihn einzukesseln und zu schlagen.
Kartenspiele in großer Runde
Bereits im Mittelalter wurden Kartenspiele in großer Runde gespielt. In Wirtshäusern und Adelskreisen spielten die Menschen um Geld.
Das Kartenspiel war jedoch verpönt und wurde zum Teil sogar dem Teufel zugeschrieben.
Einige Kartenspiele, die heute in Spielcasinos gespielt werden, haben Wurzeln, die teils bis in die Frühe Neuzeit oder das späte Mittelalter zurückreichen – darunter Vorformen von Baccarat, Blackjack und Rouge et Noir.
Würfelspiele im Mittelalter
Würfelspiele erfreuten sich auch schon im Mittelalter großer Beliebtheit. Der sechsseitige Würfel aus dem Fund von Baden-Württemberg deutet darauf hin. Es gab jedoch auch vierseitige und runde Würfel. Damals gab es bereits zahlreiche Würfelspiele. Häufig wurde mit einer bestimmten Zahl an Würfeln um die höchste Punktzahl gewürfelt.







