Wirtschaftliche Situation in Deutschland: Eine Rezession droht
Wirtschaftliche Situation in Deutschland: Eine Rezession droht
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Wirtschaftliche Situation in Deutschland: Eine Rezession droht

Mittlerweile ist es gewiss, dass die deutsche Wirtschaft aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus einer Rezession entgegensteuert. Eine Analyse des ersten Quartals 2020 beweist, dass die wirtschaftliche Leistung in diesem Zeitraum stark zurückgegangen ist. Zudem sind die Zukunftsaussichten nicht vielversprechender.

Rückgängige Zahlen in den ersten beiden Quartalen

Die Corona-Krise führte zu einem starken Einbruch des Exports, Privatkonsums sowie von Unternehmensinvestitionen. Der deutschen Wirtschaft droht eine Rezession. Diese Aussage belegen aktuelle Zahlen.

Im Vergleich zum Vorquartal reduzierte sich das Bruttoinlandsprodukt im ersten Vierteljahr um 2,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag bekanntgab.

Mit diesen Zahlen bestätigte die Wiesbadener Behörde erste Daten. Noch besorgniserregender müsste laut Annahmen der Ökonomen das zweite Quartal ausfallen.

Der massivste Rückgang seit der Finanz- und Wirtschaftskrise

Dieser zum Jahresanfang registrierte Einbruch war im direkten Quartalsvergleich der massivste Rückgang seit der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2008/2009. Zugleich war der wirtschaftliche Einbruch der zweitstärkste Rückgang seit der deutschen Wiedervereinigung. Obwohl der Ausbruch des Virus die Wirtschaftsleistung Deutschlands in den ersten zwei Monaten 2020 nicht wesentlich beeinträchtigte, sind die Auswirkungen der Pandemie laut Aussagen von Statistikern für das erste Quartal dieses Jahres gravierend.

Der Privatkonsum wurde ab Mitte März durch die Schließung der meisten Geschäfte deutlich eingeschränkt. Konsumausgaben von Verbrauchern reduzierten sich im ersten Vierteljahr um 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Allerdings ist der Privatkonsum eine hilfreiche Stütze der deutschen Konjunktur, die ungefähr die Hälfte der kompletten Wirtschaftsleistung einnimmt. Der Export von Serviceleistungen und Waren reduzierte sich im ersten Quartal um rund 3,1 Prozent.

Deutliche Auswirkungen der Corona-Krise im zweiten Quartal 2020

Infolge der Corona-Krise gaben Unternehmen wesentlich weniger Geld für Geräte, Fahrzeuge, Maschinen oder anderweitige Ausrüstungen aus, so dass ein Minus von 6,9 Prozent verzeichnet wurde. Im Gegenzug stiegen Investitionen für den Bau um 4,1 Prozent sowie Konsumausgaben des Staates um 0,2 Prozent an, so dass diese Ausgaben einem stärkeren Absturz entgegenwirkten. Im März breitete sich die Corona-Pandemie schrittweise in Europa aus. Durch geschlossene Geschäfte und Grenzen sowie Ausgangsbeschränkungen kamen große Teile des Wirtschaftslebens zum Erliegen.

Noch deutlicher werden sich die Folgen der Corona-Krise nach Einschätzung der Ökonomen allerdings im zweiten Vierteljahr auswirken.

Wie der jüngste Monatsbericht der Deutschen Bundesbank verlauten lässt, wird sich die Wirtschaftsleistung im Gegensatz zum ersten Vierteljahr noch einmal erheblich minimieren. Ersten Prognosen zufolge ist auf dem deutschen Markt von einem Einbruch von maximal 14 Prozent die Rede.

Eine der schwersten Rezessionen der Nachkriegsgeschichte

Für das gesamte Jahr 2020 prognostiziert die Bundesregierung eine der schwersten Rezessionen der Nachkriegsgeschichte. Die Wirtschaftsleistung wird sich vermutlich um rund 6,3 Prozent reduzieren, obwohl sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr schon langsam erholen soll. Während der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 sank das Bruttoinlandsprodukt um insgesamt 5,7 Prozent.

Einige Verbände und Ökonomen gehen sogar von einem noch tieferen Einbruch aus. Laut der jüngsten Prognose des Deutschen Industrie- und Handelskammertags hält dieser sogar einen BIP-Rückgang von zehn Prozent für das gesamte Jahr für wahrscheinlich.

Erholt sich die deutsche Wirtschaft erst 2021 von der Rezession?

Für das Jahr 2021 prognostiziert das IW nach aktuellem Stand der Dinge ein Wachstum des BIP in Höhe von acht Prozent. Eine wichtige Voraussetzung ist jedoch, dass kein zweiter Lockdown folgt. Schließlich wäre ein zweiter Shutdown aus volkswirtschaftlicher Perspektive der Supergau.

Anfang Juni beschloss die Bundesregierung ein Konjunkturprogramm, um die Wirtschaft nach der schrittweisen Lockerung der durch das Coronavirus verursachten Beschränkungen schrittweise anzukurbeln.