Zinsflaute – Sparkassen stecken in der Krise
Zinsflaute – Sparkassen stecken in der Krise
Wirtschaftsblog

Zinsflaute – Sparkassen stecken in der Krise

In der Coronapandemie legen viele Menschen in Deutschland Geldbeträge an. Allerdings sind die steigenden Einlagen für Sparkassen in Zeiten der Zinskrise alles andere als lukrativ. Dieser Effekt wirkt sich auch für Sparer aus.

Negativzinsen bereiten den Sparkassen Sorgen

Die Sparfreude der Deutschen belastet Sparkassen in der aktuellen Zinsflaute massiv.

Im letzten Jahr verbuchten die öffentlich-rechtlichen Einrichtungen einen Einlagenzuwachs von ungefähr 79,1 Milliarden Euro.

Dieser Wert entspricht einem Rekordplus von ungefähr 7,9 Prozent. Nach Aussagen von Helmut Schleweis als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands wissen die Sparkassen das Vertrauen ihrer Kunden in das Unternehmen zwar sehr zu schätzen.
Doch „unter Negativzinsbedingungen nehme diese liebevolle Umarmung der Kunden der Institution betriebswirtschaftlich die Luft zum Atmen“. Aus dem Grund sind die Sparkassen gewillt, eine andere Lösung zu finden.

Negativzinsen bereiten den Sparkassen Sorgen
Negativzinsen bereiten den Sparkassen Sorgen

Kündigungen auf hoch verzinste Spareinlagen

Im Fokus stehen Kündigungen, die sich auf hoch verzinste Spareinlagen sowie Verwahrentgelte bei Sichteinlagen auf Girokonten und Termingelder beziehen. Die Geschäftsbanken müssten Negativzinsen entrichten, falls das Geld bei der Europäischen Zentralbank aufbewahrt wird. Diese Negativzinsen kosteten Sparkassen im letzten Jahr trotz der Freibeträge ungefähr 120 Millionen Euro. Im Jahr 2021 könnte sich der Betrag sogar auf 240 Millionen Euro erhöhen. Vor allem bei größeren Summen stellen Finanzinstitute die Beträge vermehrt ihren Kunden in Rechnung.

Um lukrative Geldanlagen zu finden, legten Verbraucher ihr Geld beispielsweise bei der Bremer Greensill Bank an, die ihrer Klientel überdurchschnittlich hohe Zinsen versprach. Nach Aussagen von Schleweis kooperieren jedoch nur wenige Sparkassen mit Zinsportalen. Informationen von Schleweis zufolge könnten sich diese Geschäftsmodelle jedoch dann als problematisch erweisen, falls bei den kooperierenden Banken Probleme auftreten. Deshalb sollten Offerten der Plattformen auch mit der nötigen Skepsis betrachtet werden.

Veränderte Finanzkonzepte

Für lange Zeit galt es als wichtiges Konzept der Finanzinstitute, dass sie mehr Zinsen für Kredite als Sparkunden für ihre finanziellen Guthaben erhielten.

Der für die Finanzinstitute generell berechnete Zinsüberschuss reduzierte sich im letzten Jahr um insgesamt 662 Millionen Euro auf insgesamt 19,6 Milliarden Euro.

Zusammen erzielten alle 376 Sparkassen einen Jahresüberschuss in Höhe von 1,6 Milliarden Euro. Im Zuge der Krise sicherten die Geldhäuser Selbständigen und anderen Unternehmen neue Darlehen im Gesamtwert von 106,4 Milliarden Euro zu. Damit erhöhte sich dieser Anteil im Vergleich zu 2019 auf 14,1 Prozent.

Viele gewerbliche Kunden stecken in einer wirtschaftlichen Misere

Besorgniserregend ist es in den Augen des Verbands jedoch, dass sich die wirtschaftliche Ausgangslage von gewerblichen Kunden seit Jahresanfang 2021 stetig verschlechtert. Stabilisierte sich die Einnahmesituation der meisten Firmen bis Ende 2020, gehen die Finanzkraft und Umsätze seit Januar 2021 deutlich zurück. Dieser Zustand betrifft in erster Linie die Segmente des Einzelhandels, die keine Lebensmittel verkaufen. Zudem stecken zahlreiche Dienstleistungsbetriebe sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe in einer schweren finanziellen Krise. Um diesem Zustand entgegenzuwirken, sind in den Augen von Schleweis mehr Öffnungsperspektiven sowie Auszahlungen staatlicher Überbrückungshilfen erforderlich.

Die Corona-Pandemie steht dem eigentlich geplanten Umbau der Sparkassen-Finanzgruppe nach wie vor im Wege. Deshalb ist das angestrebte Zentralinstitut für den öffentlich-rechtlichen Bereich auch noch immer Zukunftsmelodie. In einer wirtschaftlichen Krise wie der jetzigen ist eine Fusion von Banken schlichtweg unrealistisch. Dieses Vorhaben lasse sich erst wieder in Angriff nehmen, wenn mit der Pandemie verbundene Risiken besser abgeschätzt werden können.