Mütter gebären erstes Kind immer später
Mütter gebären erstes Kind immer später
Gesellschafts Blog

Mütter gebären erstes Kind immer später

Aktuellen Auswertungen des Statistischen Bundesamts zufolge sind Frauen hierzulande bei der Geburt ihres ersten Kindes immer älter. In den Jahren 2019 bzw. 2020 bekamen Mütter in Deutschland ihr erstes Baby mit durchschnittlich 30,1 Jahren. Zehn Jahre zuvor belief sich dieser Durchschnittswert noch auf 28,8 Jahre.

Hierzulande sind Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes immer älter

Wie Martin Bujard als Forschungsdirektor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung betont, steigt das Alter der Mütter bei der Erstgeburt stetig an. Dieser Trend entwickle sich nach dessen Ansicht immer dynamischer.

Ein wichtiger Grund für diese Entwicklung ist der Tatsache geschuldet, dass viele Frauen immer später mit dem beruflichen Alltag beginnen.

Häufig erfüllen sich Paare ihren Kinderwunsch erst dann, wenn beide Personen beruflich auf einen sicheren Arbeitsplatz zugreifen können. Diese Tendenz kristallisiert sich besonders häufig bei Akademikerinnen heraus, die ihr erstes Kind durchschnittlich erst mit 32 Jahren gebären. Erschwerend kommt hinzu, dass über 50 Prozent aller deutschen Frauen mit 35 Jahren noch kinderlos sind. Eine frühe Elternschaft wirkt sich für gute Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt häufig nachteilig aus.

Zunehmend mehr Erstgeburten für Frauen ab 35 Jahren

Den Analysen von Bujard zufolge steigt die Anzahl an Erstgeburten insbesondere bei Frauen von 35 bis 40 Jahren deutlich an. Ein völlig anderes Bild zeichnete sich vor einigen Jahrzehnten noch in den 1970er Jahren ab. Damals waren Frauen aus der DDR bei der Geburt ihres ersten Kindes durchschnittlich 22 Jahre und westdeutsche Frauen 25 Jahre alt. Bekamen Frauen zur damaligen Zeit ihr erstes Kind erst jenseits der 40-Jahres-Grenze, galten die Mütter als absolute Ausnahme. Heute hingegen werden entsprechende Zahlen relativ regelmäßig vermerkt.

Signifikante Unterschiede zwischen Müttern einzelner Bundesländer

Markante Unterschiede bemerkt das Statistische Bundesamt allerdings auch zwischen einzelnen Bundesländern. Gemäß dieser Analyse sind Frauen aus Sachsen-Anhalt mit einem Alter von durschnittlich 28,9 Jahren bundesweit am jüngsten. Mütter aus Hamburg sind mit einem Durchschnittsalter von 31,2 Jahren hingegen am ältesten. Diesen Trend können sich Wissenschaftler ganz einfach erklären. Sie verweisen auf den sogenannten Großstadteffekt, demzufolge sich Akademikerinnen überwiegend in Großstädten niederlassen.

Vergleichbare Werte werden ebenfalls in größeren Städten wie Frankfurt und Stuttgart oder bekannten Universitätsstädten wie Heidelberg erreicht. Obwohl sich die Zahlen zwischen Frauen aus Ost- und Westdeutschland schrittweise annähern, sind Mütter aus Ostdeutschland häufig etwas jünger.

Weniger Geburten als im Vorjahr
Der Blick auf die Geburtszahlen im Allgemeinen beweist, dass im Jahr 2019 ungefähr 1,2 Prozent Kinder weniger als im Jahr zuvor geboren wurden

Weniger Geburten als im Jahr 2018

Der Blick auf die Geburtszahlen im Allgemeinen beweist, dass im Jahr 2019 ungefähr 1,2 Prozent Kinder weniger als im Jahr zuvor geboren wurden. Demzufolge erblickten 2019 etwa 778.100 Babys das Licht der Welt. Die durchschnittliche Kinderzahl beläuft sich pro Frau auf 1,54 Kinder. Dieser Anteil betrug ein Jahr zuvor noch 1,57 Prozent. Die Geburtenrate sank in insgesamt 14 von 16 Bundesländern. Nur in Bayern bzw. Bremen blieb die Geburtenrate mit 1,55 bzw. 1,60 auf dem Vorjahresniveau.

Grund zur Sorge gibt es laut Aussagen von Bujard dennoch nicht.

Der Wissenschaftler interpretiert die Entwicklung eher als Seitwärtsbewegung denn als Trend. In der Tat war die Geburtenrate schon mehrfach wesentlich geringer. Ein Beispiel ist das Jahr 1994, in dem jede Frau in Deutschland nur 1,24 Kinder im Durchschnitt gebar.

Familien benötigen Perspektiven

Damit sich solche Zahlen in naher Zukunft nicht wiederholen, ist es wichtig, Familien in Deutschland Perspektiven zu bieten. Mütter und Väter müssen das Gefühl haben, dass Beruf und Familie miteinander vereint werden können. Laut Aussagen von Jessica Nisén vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung müssen sich Eltern in spe hierzulande auf eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung verlassen können, deren Finanzierung im Bereich des Möglichen sei.

Nordeuropäische Länder zeigten bereits auf, dass Konzepte wie diese tatsächlich funktionieren. Im EU-weiten Vergleich reihte sich Deutschland in vergangener Zeit im Mittelfeld ein.

Frankreich: Der Spitzenreiter im europaweiten Vergleich

Aktueller Spitzenreiter ist nach Auswertungen des Statistischen Amtes der Europäischen Union das Land Frankreich mit einer Geburtenrate von 1,88 pro Frau. Auf Platz 2 rangiert Schweden mit einer Quote von 1,76. Den letzten Platz nimmt in Europa Malta mit einem Anteil von 1,23 ein.

Deutschland bewegt sich mit einer Geburtenrate von 1,57 im Mittelfeld auf Platz 13. In Bulgarien sind Mütter mit einem Durchschnittsalter von 26,2 Jahren am jüngsten. Am ältesten sind Mütter in Italien, deren erste Kinder durchschnittlich mit einem Alter der Mutter von 31,2 Jahren das Licht der Welt erblicken.