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„Vater der Atombombe“: Wer war Robert Oppenheimer?

Vater der Atombombe
„Vater der Atombombe“: Wer war Robert Oppenheimer? | Foto: © ding #561166564 – stock.adobe.com

Erst ein gefeierter Wissenschaftler, danach ein hohes Sicherheitsrisiko für die USA. Zu Lebzeiten schrieb J. Robert Oppenheimer als einer der bekanntesten Physiker seiner Generation Geschichte. Doch das Blatt wendete sich mit dessen Erfindung der Atombombe.

Die wichtigste jemals lebende Person?

Im Begleittext zu seinem neuen Film „Oppenheimer“ schrieb Regisseur Christopher Nolan folgende Worte: „Ob es Ihnen gefällt oder nicht. J. Robert Oppenheimer ist die wichtigste Person, die je gelebt hat.“

Diese Aussage begründete der Regisseur in einem Interview mit der New York Times damit, dass Oppenheimer der Mann sein könnte, der die Welt zerstört hat.

Film Oppenheimer
Im Begleittext zu seinem neuen Film „Oppenheimer“ schrieb Regisseur Christopher Nolan folgende Worte: „Ob es Ihnen gefällt oder nicht. J. Robert Oppenheimer ist die wichtigste Person, die je gelebt hat.“ | Foto: © Rokas #626647240 – stock.adobe.com

Eine unbeschwerte Kindheit

Der Sohn jüdisch-deutscher Einwanderer erblickte als Julius Robert Oppenheimer im Jahr 1904 in New York das Licht der Welt. Als Sohn gut betuchter Eltern verbrachte der junge Robert seine Kindheit an der Upper West Side. Rund um die Uhr standen ihm und seinem Bruder Frank Angestellte zur Seite, die nur für deren Wohlergehen da waren.

Wie Robert Oppenheimer später betonte, habe ihn die eigene Kindheit keinesfalls auf die grausame Seite dieser Welt vorbereitet.

Statue von Julius Robert Oppenheimer
Der Sohn jüdisch-deutscher Einwanderer erblickte als Julius Robert Oppenheimer im Jahr 1904 in New York das Licht der Welt | Foto: © Lumos Ajans #575352676 – stock.adobe.com

Erfolgreiche akademische Laufbahn

In der Mitte der 1920er Jahre absolvierte Oppenheimer an der Harvard-Universität erfolgreich ein Chemiestudium, bevor er zu Forschungszwecken seine Heimat zur Cambridge-Universität im Vereinigten Königreich wechselte. Im Laufe der Zeit entwickelte er in Cambridge eine massive Abneigung gegen seine eigene Arbeit. Daraufhin erkrankte er an einer Psychose, infolge derer Oppenheimer seinen Tutor sogar mit einem Apfel vergiften wollte. Ein Jahr später – so heißt es – soll er sogar einen Mordversuch an einem seiner Freunde unternommen haben.

Bedingt durch diese Ereignisse, nahm sich Oppenheimer eine Auszeit.

Anschließend entschied er sich dafür, das Fach zu wechseln und sich zukünftig der Physik zu widmen. Physikalische Themen faszinierten Oppenheimer bereits während seiner Zeit in Harvard. Binnen kurzer Zeit etablierte sich Oppenheimer in der Welt der Physik so sehr, dass er in Göttingen eine Stelle als Doktorand annahm.

Spezialisierung auf Quantenphysik

Im Bereich der Quantenphysik war die Universität Göttingen zum damaligen Zeitpunkt eine führende Institution. In Deutschland gelang es Oppenheimer, einige der berühmtesten Wissenschaftler ihrer Zeit kennenzulernen. Regelmäßig befand er sich im Gedankenaustausch mit namhaften Größen wie Niels Bohr, Werner Heisenberg, Charlotte Riefenstahl oder Paul Dirac.

Zudem begegnete Oppenheimer Edward Teller – dem späteren „Vater der Wasserstoffbombe“. Im Jahr 1927 promovierte Oppenheimer bei Max Born „mit Auszeichnung“. Hierfür widmete er sich der Thematik über theoretische Untersuchungen von Spektren. Nach mehreren Stationen in der Schweiz und den Niederlanden kehrte der Physiker in die USA zurück.

Spezialisierung auf Quantenphysik
Im Bereich der Quantenphysik war die Universität Göttingen zum damaligen Zeitpunkt eine führende Institution | Foto: © KukiLadrondeGuevara #613328978 – stock.adobe.com

Mitglied einer Ehrengesellschaft

Daraufhin entschied sich der Physiker an der Universität von Berkeley für eine Assistenzprofessur. Im Zeitraum bis zum Zweiten Weltkrieg gelang es Robert Oppenheimer, sich als einer der wichtigsten Wissenschaftler der Quantenmechanik zu etablieren. Zudem widmete sich der Forscher während dieser Zeit erstmals Bereichen wie der Astrophysik.

Eine besondere Ehre wurde Oppenheimer im Jahr 1940 zuteil, als er in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen wurde.

Dieser Ehrengesellschaft durften seinerzeit nur die bedeutungsvollsten Persönlichkeiten aus Kunst und Wissenschaft beitreten. Diese Anerkennung brachte dem Wissenschaftler eine Stelle als Leiter des geheimen Manhattan-Projekts ein. Dieses von der US-Regierung initiierte Forschungsprojekt hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die 1938 entdeckte Kernspaltung zukünftig zu militärischen Zwecken einzusetzen.

Aktive Teilnahme am Manhattan-Projekt

In das Projekt wurden rund 1,9 Milliarden US-Dollar investiert. Etwa 150.000 Menschen beteiligten sich am Manhattan-Projekt. Und die Mühen verfehlten ihr Ziel nicht. Den Forschern gelang es, eine einsatzfähige Atombombe zu entwickeln und zu bauen. Nach einem Trinity-Testlauf am 16. Juli 1945 warfen die US-Amerikaner am 6. August desselben Jahres eine Atombombe über Hiroshima. Nur drei Tage später wurde eine weitere Bombe über Nagasaki abgeworfen. Durch die verursachten Explosionen verloren mindestens 100.000 Menschen ihr Leben.

Bis Ende 1945 forderten die Atombomben rund 130.000 weitere Opfer, die an Folgeschäden durch die Atombomben verstarben. Unter den Opfern befanden sich überwiegend Zivilisten sowie von der japanischen Armee verschleppte Zwangsarbeiter.
Es ist schwer abzuschätzen, wie viele Menschen in den Folgejahren infolge der Atombomben-Angriffe ihr Leben verloren. Sechs Tage nach dem Abwurf der Atombombe über Nagasaki gab der einstige japanische Kaiser Hirohito die Kapitulation seines Landes bekannt.

Aktive Teilnahme am Manhattan-Projekt
Aktive Teilnahme am Manhattan-Projekt | Foto: © twindesigner #312451983 – stock.adobe.com

Mehrere Auszeichnungen

Im Laufe der folgenden Jahre wurde Oppenheimer immer wieder für seine Arbeit ausgezeichnet. Beispielsweise erhielt der Physiker die Verdienstmedaille als höchste Auszeichnung der USA. Allerdings widersprach Oppenheimer jeden sich anschließenden Einsatz der Atombombe.

Stattdessen sprach er sich für eine internationale Kontrolle von Kernenergie aus.

Seitdem er unmittelbar mit Auswirkungen der Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki konfrontiert wurde, wandelte er sich zum vehementen Gegner dieser Erfindung.

Vom Vater der Atombombe zum vehementen Gegner

Traumatisiert von den erschreckenden Auswirkungen der Atombombe, sprach sich Robert Oppenheimer auch gegen die Entwicklung der Wasserstoffbombe aus. Bewusst stellte sich der Physiker gegen seinen ehemaligen Freund Edward Teller, der sich intensiv an der Forschung beteiligte. Dessen öffentliche Kritik führte zu regelmäßigen Auseinandersetzungen mit Teller und Lewis Strauss, dem Vorsitzenden des US-Atomausschusses.

In aller Öffentlichkeit ließ sich Strauss infolgedessen keine Chance entgehen, um Oppenheimer zu diffamieren und ihn als Spion der Sowjetunion zu bezeichnen. Diese Vorwürfe erhärteten sich im Zuge der McCarthy-Ära noch einmal zusätzlich.
In den Anfangsjahren des Kalten Kriegs war es üblich, den Kommunismus innerhalb der USA vehement zu bekämpfen. Deshalb wurde Oppenheimer in der Mitte der 1950er Jahre zu einer Sicherheitsanhörung geladen.

Vom Vater der Atombombe zum vehementen Gegner
Vom Vater der Atombombe zum vehementen Gegner | Foto: © Ulia Koltyrina #538411684 – stock.adobe.com

Vorwürfe in aller Öffentlichkeit

Der Physiker musste sich den Vorwurf gefallen lassen, den Umgang mit bekannten Kommunisten zu pflegen. Dieser Vorwurf bezog sich in erster Linie auf Oppenheimers bestehende Kontakte mit seinem Bruder Frank, dessen Ex-Freundin Jean F. Tatlock sowie Bekannten aus Berkeley.

Zudem wurde der Wissenschaftler mit dem Vorwurf konfrontiert, seine Aufgabe bei der Atomenergiebehörde nicht vollends zu erfüllen.

Oppenheimer dürfe zwar seine Meinung frei äußern. Doch mit seinen Kampagnen gegen die Wasserstoffbombe schade er nachhaltige den Interessen der Amerikaner.

Drastische Maßnahmen

Deshalb verlor Robert Oppenheimer zuerst seine Sicherheitsfreigabe und wurde daraufhin von geheimen Regierungsprojekten ausgeschlossen. Diese Entscheidung wurde von der US-Öffentlichkeit positiv aufgenommen. Kritische Stimmen wurden im Gegenzug durch Kollegen aus wissenschaftlichen Kreisen laut. Erste Annäherungsversuche begannen ab der Mitte der 1960er Jahre, als Oppenheimer den Preis der Atomenergiekommission für dessen Verdienste im Zeichen des Manhattan-Projekts erhielt. Die Auszeichnung erhielt Oppenheimer auf eine Empfehlung des einstigen US-Präsidenten John F. Kennedy.

Im Februar 1967 verstarb der Kettenraucher an Kehlkopfkrebs. Nach seinem Tod dauerte es weitere 55 Jahre, bis der Physiker vollkommen rehabilitiert war. Die US-amerikanische Energieministerin Jennifer Granholm entschied sich im Dezember 2022 dafür, Oppenheimers Entzug der Sicherheitsfreigabe wieder aufzuheben.