Werbe-Tracking - Beschwerden gegen Apple
Werbe-Tracking - Beschwerden gegen Apple
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Werbe-Tracking – Beschwerden gegen Apple

Geht es nach einer von Datenschutzaktivist Max Schrems geleiteten Organisation, soll Apple zur Umstellung eines wichtigen Trackingsystems aufgefordert werden. Dieses für iPhones angewendete aktive System ermöglicht personalisierte Werbung.

Ein Verstoß gegen Datenschutz

Wegen dieser Werbe-Tracking-Funktion reichte die digitale Bürgerrechtsorganisation noyb einen Datenschutzbeschwerde gegen den i-Phone-Mogul ein.
Diese Beschwerde gilt dem sogenannten Identifier for Advertisers, dem IDFA. Mithilfe dieser Kennnummer können Unternehmen personalisierte Werbung an iPhone-Nutzer übersenden.

Eine automatische Kenner-Nutzung

Dieser IDFA gleicht einem „digitalen Nummernschild“, betonen die Aktivisten. Diese Kennung stellt sich automatisch und individuell ein, sobald ein neues iPhone zum ersten Mal aktiviert wurde.

Diese Aktivierung erfolge jedoch ohne Zustimmung seiner Nutzer.

Aus dem Grund stellte der Beschwerdeführer an Apple die Frage, wann er dem Tracking über das IDFA-System zugestimmt habe. Daraufhin konnte eine Mitarbeiterin des Apple-Datenschutzteams keine Antwort geben. Dieser Schriftverkehr geht aus Mails hervor, die der Beschwerde angehörten.

Apple wehrt sich gegen die Vorwürfe

Nachdem die Beschwerde veröffentlicht wurde, bezog sich Apple auf die Vorwürfe und beschrieb diese als sachlich falsch. Nach Aussagen von Apple greift der IDFA überhaupt nicht auf die Geräte zu und benutzt diesen auch in keiner Form.
Deshalb verteidigt Apple den Standpunkt, dass diese Strategie mit europäischem Recht konform ist und die Datenschutz-Grundverordnung unterstütze.

Eigentlich gilt Apple als datenschutzfreundlich

Da der Beschwerdeführer in Berlin ansässig ist, wurde die Klage bei der Datenschutzbehörde in Berlin eingereicht. Weil der iPhone-Hersteller allerdings nicht auf die Rückfragen des Beschwerdeführers reagierte, richtete sich der Kläger an die österreichische Bürgerrechtsorganisation noyb. Jurist Max Schrems als Gründer der Bürgerrechtsorganisation sorgte selbst schon wegen seiner Klagen gegen Facebook für Furore. Eine der Klagen führte schon dazu, dass der Europäische Gerichtshof in jüngster Vergangenheit den einst umstrittenen Datenpakt „Privacy Shield“ als ungültig deklarierte.

Unter Firmen aus dem berühmten Silicon Valley ist Apple als vergleichsweise datenschutzfreundlicher Konzern bekannt.

Aus dem Grund wäre es nach Ansicht der Aktivisten empfehlenswert, dass Apple eine nicht autorisierte Installation der IDFA verhindert. Stefano Rossetti betreut noyb in dieser Angelegenheit als Jurist. Seiner Meinung nach ginge es bei der Beschwerde nicht ums Prinzip. Vielmehr ist IDFA schlichtweg nicht mit dem Gesetz vereinbar.

Das System ist mit Cookies vergleichbar

Aus juristischer Perspektive betonen die Aktivisten, dass IDFA-Tracking ungefähr den Cookies ähnelt, die auf Webseiten fürs Surfen im Internet angelegt sind. Dabei legt das Telemediengesetz fest, welche Voraussetzungen die Nutzerprofile mit Cookies überhaupt erfüllen müssen.
Erst vor wenigen Monaten urteilten die Richter am Bundesgerichtshof, dass für eine Erstellung von Profilen stets eine Zustimmung durch die Nutzer erforderlich ist.

Auseinandersetzungen zwischen Apple und Facebook

Diskussionen rund um das IDFA-System wurden in jüngster Vergangenheit ebenfalls zwischen Facebook und Apple entfacht. Da Apple von seinen Usern nach der Umstellung auf iOS14 einst die Zustimmung für eine Weiterverarbeitung der IDFA-Daten wünschte, wies Facebook auf drohende Umsatzeinbußen für die Werbebranche hin. Da sich die Werbebranche ebenfalls kritisch äußerte, verschob Apple letztendlich die Umstellung des IDFA-Verfahrens.

Die noyb-Aktivisten zweifeln schließlich sowieso an, dass die von Apple für das neue System angekündigten Veränderungen einschließlich IDFA-Tracking mit dem Datenschutzrecht vereinbar sind.

Nach Rossetti sei es jedoch erstrebenswert, dass die Tracker gar nicht erst angelegt werden.

Wie können Apple-User das Tracking deaktivieren?

Eigentlich wird das IDFA-System zwar generell bei der Inbetriebnahme von iPhones erstellt. Allerdings können Nutzer das mit der IDFA verbundene Werbetracking im Nachhinein wieder deaktivieren.

Hierfür genügt es, unter dem Menü „Einstellungen“ den Button „Datenschutz“ zu betätigen. Dort klicken iPhone-Besitzer auf „Tracking“, um mit eigener Zustimmung den Button „Apps erlauben, Tracking anzufordern“ zu deaktivieren.