Wie entstehen Benzin- und Dieselpreise?
Wie entstehen Benzin- und Dieselpreise?
Wirtschaftsblog

Wie entstehen eigentlich Benzin- und Dieselpreise?

Preise für Kraftstoff schwanken nicht nur von Tankstelle zu Tankstelle, sondern auch von Tag zu Tag. Dabei stellt sich die Frage, weshalb die Spritpreise zum Teil im Stundentakt wechseln und wie Autofahrer dabei das meiste Geld sparen können.

Auf jede Kraftstoffart wird eine andere Energiesteuer erhoben

Vom Staat über Betreiber von Tankstellen bis hin zu Mineralölkonzernen – alle Beteiligten möchten nicht nur am Kraftstoff verdienen, sondern auch den Verbrauch direkt beeinflussen. Diese Einflussnahme ist auch ein Grund dafür, weshalb auf jede Kraftstoffart eine andere Energiesteuer entfällt. Dabei gilt: Je umweltverträglicher ein Kraftstoff ist, desto geringer ist auch der Steuersatz. Generell machen die Steuern dabei den größten Anteil des Spritpreises aus.

Während sich der Energiesteuersatz bei Benzin auf 64,45 Cent pro Liter beläuft, reduziert sich der Anteil bei Diesel auf 47,04 Cent je Liter. Wer Strom tankt, muss mit einer Steuergebühr von 2,05 Cent pro kWh rechnen. Müssen Nutzer von Erdgas einen Energiesteuersatz von 19 Cent je Kilogramm bezahlen, beträgt der Anteil bei Flüssiggas bzw. Autogas rund 23 Cent pro Kilogramm bzw. 12 Cent je Liter.

Nur ein Bruchteil der Kosten bezieht sich auf den Kraftstoff selbst

Zusätzlich wird auf alle Energieträger die Mehrwertsteuer berechnet. Diese Gebühr wird auf die Energiesteuer und den Warenpreis erhoben.

Das bedeutet mit anderen Worten, dass ungefähr 58 Prozent der Tankrechnung unmittelbar an den Staat weitergeleitet werden. Mit dem verbleibenden Teil wird der eigentliche Preis für die Ware von der Rohölquelle über die Beförderung nach Deutschland bis zur Weiterverarbeitung des Rohstoffs auf dem Weg zur Zapfsäule bezahlt. Außerdem sind Mineralölkonzerne natürlich darauf bedacht, einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen.

Einflüsse durch hiesige Marktkräfte

Zusätzlich zu den Steuern nehmen Marktkräfte auf die Kraftstoffpreise Einfluss. Die Auswirkungen dieser Marktkräfte beginnen beim globalen Rohstoffhandel, der in Abhängigkeit der Jahreszeit, politischen Situation und Konjunktur variiert. Der jeweils aktuelle Dollarkurs wirkt sich ebenfalls auf den Kraftstoffpreis aus. Öl wird nahezu ausnahmslos in US-amerikanischer Währung gehandelt. Erhöht sich der Dollarkurs folglich im Verhältnis zum Euro, steigern sich automatisch die Spritpreise.

Außerdem wirkt sich der Wettbewerb unterschiedlicher Tankstellenbetreiber auf den Kraftstoffpreis aus. An diesem Punkt können Verbraucher die Preisbildung sogar bis zu einem gewissen Punkt beeinflussen. Denn je mehr Fahrzeugbesitzer an der günstigsten Zapfsäule tanken, umso mehr reguliert diese Entscheidung auch den Preis.

Unterschiedliche Preisentwicklungen im Laufe eines Tages

Eine wichtige Rolle spielt außerdem der Zeitpunkt des Tankvorgangs. Denn heute ist es längst nicht mehr gültig, dass Kraftstoffpreise in der Nacht besonders hoch sind und dann kontinuierlich tagsüber bis zum Abend sinken. Ganz im Gegenteil. Schenkt man entsprechenden Auswertungen des ADAC Glauben, sind im Laufe eines Tages mehrere Preisspitzen ersichtlich.

Generell gilt, dass der Kraftstoff im Laufe eines Tages morgens von 6 bis 9 Uhr besonders teuer ist. In diesem Zeitraum überschreitet der Preis den Tagesdurchschnittswert um bis zu sechs Cent.

Grundlage für diese Untersuchung waren alle Preisbewegungen, die sich im Mai 2019 an allen ungefähr 14.000 Tankstellen in Deutschland vollzogen.

Wie umfassend sind deutsche Benzinvorräte?

Seit der großen Ölkrise in den 1970er Jahren ist es mittlerweile verpflichtend, in Deutschland so viel Kraftstoff zu lagern, wie der gesamte Staat für ungefähr 90 Tage benötigen würde. Dieser Umfang beläuft sich auf ungefähr 21 Millionen Tonnen. Für den Erhalt dieser Reserve ist der EBV, der Erdölbevorratungsverband, zuständig. Dieser Vereinigung gehören alle Unternehmen an, die entweder Rohöl nach Deutschland befördern oder dieses hierzulande verarbeiten. Dem Bestand des EBV gehören Rohöl, Otto- und Dieselkraftstoff, Flugturbinenkraftstoff sowie leichtes Heizöl an. Diese Reserven sind deutschlandweit untergebracht.

Landesweit gibt es insgesamt fünf Versorgungsgebiete, in denen vorhandene Bestände jeweils immer für 15 Tage ausreichen müssen. Dementsprechend dienen diese Kraftstoff- und Rohölvorräte dem Zweck, eine Versorgung für Not- und Ausnahmesituationen zu gewährleisten.

Gibt es starke Preisdifferenzen innerhalb Europas?

Autourlaubern steht es beim ADAC frei, sich jederzeit über Benzin- und Dieselpreise der jeweiligen Transit- und Urlaubsländer zu informieren. Die Preise für Benzin sowie Diesel weichen dabei zum Teil erheblich voneinander ab. Außerdem variieren Preise innerhalb einzelner Länder, partiell sogar in bestimmten Gebieten oder von Tankstelle zu Tankstelle. Darauf sollten Autofahrer im Einzelnen besonders achten.