Schärfere Abgasgrenzwerte sowie der Ausbruch des Coronavirus setzen deutsche Autobauer unter Druck
Schärfere Abgasgrenzwerte sowie der Ausbruch des Coronavirus setzen deutsche Autobauer unter Druck
Wirtschaftsblog

Autobauer unter Druck: Klimavorgaben erschweren Bedingungen

Schärfere Abgasgrenzwerte sowie der Ausbruch des Coronavirus setzen deutsche Autobauer zunehmend unter Druck. Obwohl die Genfer Automesse abgesagt wurde, stellten Premiumhersteller wie Volkswagen, Mercedes und BMW vor wenigen Tagen innovative Neuheiten vor. In Städten wie Stuttgart, Wolfsburg sowie München präsentierten die Fahrzeughersteller ihre Pläne, wie sie sich das Jahr 2020 vorstellen.

Beispielsweise droht die EU ab 2020 hohe Milliardenstrafen an, falls sich der Ausstoß von CO2 bei in Europa verkauften Fahrzeugen nicht deutlich reduziert.

Ein Produktionsvorsprung durch die Folgen des Coronavirus

Die durch die Lungenerkrankung Covid-19 hervorgerufene Zwangspause auf dem wichtigen Einzelmarkt in China bescherte den deutschen Unternehmen zwar einen Vorsprung in der Produktion. Dennoch müssen die Fahrzeughersteller in den ersten beiden Monaten dieses Jahres vermutlich ein dickes Minus bei ihren Verkaufszahlen verbuchen. Zu diesem Thema äußerte sich Daimler-Chef Ola Källenius und beklagte die mangelnden Verkaufszahlen.

Zudem betonte BMW-Vorstandsvorsitzender Oliver Zipse, dass der Absatz im Monat Februar alles andere als positiv verlief. Dennoch sind internationale Aktivitäten bei Kfz-Produzenten wie Daimler noch nicht massiv beeinträchtigt.

Hoch gesteckte Ziele

Längere Zeit hatten die Fahrzeugproduzenten gewartet, um Novitäten im Bereich der Elektromobilität durchschlagende Erfolge zu feiern. Die Ziele sind hoch gesteckt. Denn diese Neuerungen sollen dazu beitragen, dass sich die Pkw-Abgabe neuer Modelle drastisch reduzieren. Jetzt möchte BMW endlich aktiv werden. Die Münchner kündigten an, den Anteil der CO2-Emissionen von derzeit rund 128 Gramm pro gefahrenem Kilometer um ungefähr 20 Prozent auf ungefähr 100 Gramm zu reduzieren. An diese Entwicklung knüpft Daimler-Vorsitzender Källenius mit der Maßgabe an, durch Mercedes-Fahrzeuge verursachte Abgase ebenfalls um circa 20 Prozent zu reduzieren. Doch da diese Modelle durchschnittlich 137 Gramm je gefahrenem Kilometer an CO2-Emissionen verursachen, dürfte die Herausforderung im Hause Mercedes noch wesentlich größer sein.

Im Gegenzug gaben die Fahrzeughersteller allerdings bekannt, dass sich der Anteil an elektrifizierten Kfz in diesem Jahr vervierfachen und 2021 noch einmal zusätzlich verdoppeln soll. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren – darunter die neue E-Klasse – sollen deshalb mit der innovativen Mild-Hybrid-Technologie vom Band laufen. Außerdem sollen in diesem Jahr erstmals Kompaktfahrzeuge mit sogenannten Plug-in-Hybridantrieben angeboten werden, die hierzulande zumeist mit einem Dieselaggregat kombiniert werden.

Realistische Ziele von Mercedes-Benz

Wie Källenius in Stuttgart weiterhin verlauten ließ, bewege sich der Pkw-Bereich von Mercedes-Benz bereits in greifbarer Nähe zu den Zielen. Jeder Produzent legt je nach Modellangebot einzelne Ziele fest, die aufgrund des unterschiedlichen Gewichts der Fahrzeuge voneinander abweichen und erst im Nachhinein festgelegt werden können. Auf einer Bilanzpressekonferenz relativierte Källenius diese Ziele bereits und betonte, keine Garantie für das Erreichen der Pläne aussprechen zu können. Deshalb geht Daimler davon aus, dass der Grenzwert für die Pkw-Flotte vermutlich leicht oberhalb von 100 Gramm angesiedelt ist.

BMW möchte Strafzahlungen an die EU dringlichst vermeiden

Diesbezüglich äußert sich BMW-Vorsitzender Oliver Zipse und betont, dass dieser Fahrzeughersteller durch die EU auferlegte Strafzahlungen dringend vermeiden möchte. Deshalb versprach der BMW-Chef bereits, die für Europa gültigen CO2-Ziele für 2020 sowie 2021 garantiert zu erreichen. Die neuen BMW-Modelle, darunter das vollelektrische Coupé i4, sollen sich auch als ernstzunehmende Konkurrenz für US-Elektroautopionier Tesla präsentieren. Diesbezüglich gab BMW zu verstehen, dass in diesem Jahr europaweit ungefähr 140.000 elektrifizierte Autos veräußert werden sollen, von denen etwa 40.000 vollelektrisch betrieben werden. Schon ab 2021 soll jedes vierte der ungefähr eine Million Fahrzeuge in Europa mit einem Elektromotor ausgestattet sein.

Elektrofahrzeuge als profitables Geschäft

Dennoch verdeutlicht Zipse ebenfalls, dass BMW beabsichtigt, mit jedem einzelnen Elektrofahrzeug Geld zu verdienen und dementsprechend profitabel zu arbeiten. Zudem bestätigten die Fahrzeughersteller, bei einem auf vier Jahre ausgelegten und bis 2022 andauernden Sparpaket von ungefähr 12 Milliarden Euro auch sehr gut im Kurs zu liegen. Volkswagen kündigte hingegen für dieses Jahr an, dass das erste vollelektrische SUV ID4 noch in diesem Jahr vom Band läuft. Außerdem ließ VW verlauten, dass das erste mit einem Golf vergleichbare Massenmarktfahrzeug ID3 ab Sommer 2020 zum Verkauf angeboten wird. Wie ein Manager von Volkswagen bestätigte, wird das SUV ID4 zu Beginn für den Markt in Europa, den USA sowie China verfügbar sein. Der ID3 sowie ID4 basieren auf der Elektroplattform MEB, die unterschiedliche Modelle mit einer einheitlichen Technik versorgt. Das in Chattanooga in Tennessee gelegene US-Werk ist ebenfalls dafür vorgesehen, um die Herstellung von Elektrotriebwerken für VW anzukurbeln.

Um Flottenemissionen zu reduzieren, konzentriert sich Volkswagen zunehmend auf vollelektrische Antriebe. VW-Vorsitzender bezeichnet die Strategie als besonders effiziente Methode, um die CO2-Bilanz des Fahrzeugherstellers zu reduzieren. Die Fahrzeugbranche darf also gespannt sein, wohin der Weg gehen wird.