Klimaretter Baum
Klimaretter Baum? Wie sinnvoll es ist, wenn wir aufforsten
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Klimaretter Baum? Wie sinnvoll es ist, wenn wir aufforsten

Sie denken einen Baum zu pflanzen ist immer eine gute Idee? Nun, damit haben Sie nicht ganz unrecht, denn Aufforstungsprojekte versprechen in der Regel Klimaschutz für wenig Geld. Außerdem erscheint es leicht, solche Projekte zu unterstützen. Wir müssen entweder nur die richtige gute Schokolade kaufen oder die richtigen Kosmetikprodukte. Weiterhin gibt es heutzutage Möglichkeiten, mit nur einem Klick zu spenden und tatsächlich kann man sogar umweltbewusst verhüten.
Allerdings sind nicht alle Aufforstungsprojekte auch immer nachhaltig. Welches Baum-Business wirklich sinnvoll ist und woran Sie seriöse Anbieter festmachen können, erfahren Sie im Folgenden.

„Plant for the Planet“ – eine deutsche Organisation in der Kritik

Die deutsche Organisation der Baum-Branche geht mit einem negativen Beispiel voran und beweist, dass verantwortungsbewusstes Handeln nicht immer selbstverständlich ist. Recherchen, welche über mehrere Wochen andauerten, ergaben, dass es in vielen Bereichen Defizite gibt. So zum Beispiel mangelt es an Transparenz, die Organisation wird nicht ausreichend fachlich betreut und neben zweifelhaften Strukturen kamen auch noch Defizite bei den Baumpflanzungen in Mexiko zutage.

Wenn Sie also skeptisch sind, wenn Ihnen versprochen wird, dass mit billigen Bäumen das Klima gerettet werden kann, haben Sie allen Grund dazu.

Allerdings sollten Sie die Aufforstungen nicht per se in Frage stellen, denn letztendlich sind Wälder wirklich die wichtigsten Kohlenstoffsenker, die wir aktuell haben.

Jedes Jahr wird durch das Wachstum von Bäumen etwa zwei Milliarden Tonnen Kohlendioxid entzogen- das entspricht etwa sechs Prozent der globalen CO2-Emissionen.

Aufforstung
Allerdings sollten Sie die Aufforstungen nicht per se in Frage stellen, denn letztendlich sind Wälder wirklich die wichtigsten Kohlenstoffsenker, die wir aktuell haben

Warum sind Bäume so gut für den Klimaschutz?

Das was für das Klima der absolute Killer ist, ist für die Bäume das Lebenselixier: CO2. Um genauer zu sein, wird CO2 von den Bäumen in Kohlenstoff verwandelt und im Holz gespeichert. Erst, wenn der Baum bzw. dessen Holz verbrennt oder verrottet, entweicht die Menge CO2, die vorher gespeichert wurde. Daher ist es so wichtig, die Abholzung bereits bestehender Wälder zu stoppen, denn dabei entweicht jede Menge CO2 in die Atmosphäre.

Allein 15 Prozent der CO2-Emmissionen gehen auf die Zerstörung der tropischen Regenwälder zurück – und zwar jedes Jahr. Darüber hinaus ist es wichtig, den natürlichen CO2-Speicher auszubauen, also noch mehr Bäume zu pflanzen.

Bäume gut für den Klimaschutz
Das was für das Klima der absolute Killer ist, ist für die Bäume das Lebenselixier: CO2

Ist jeder Baum eine Hilfe?

Jein, nicht jeder Baum kann dazu beitragen, den CO2-Ausstoß zu verringern. Es ist also nicht damit getan, möglichst viele neue Bäume zu pflanzen. Sie fragen sich warum? Nun, wenn Aufforstungen schlecht geplant sind, kann die CO2-Emission sogar erhöht werden.

Das passiert zum Beispiel, wenn aufgrund der Bäume Moore oder Böden genutzt werden, die ebenfalls wichtige natürliche Kohlenstoffspeicher darstellen.

An vielen Standorten ist demnach die natürliche Regeneration das billigste und beste Mittel, denn die Natur erobert sich etliche Flächen aus eigener Kraft wieder zurück.

Worauf Sie achten sollten, wenn Sie Produkte kaufen oder spenden möchten

Wenn Sie beim Naschen ein gutes Gewissen haben wollen oder durch eine Spende Ihren ökologischen Fußabdruck aufbessern möchten, sollten Sie einige Dinge beachten. Zum einen sollten Sie sich die Frage stellen, welches Unternehmen damit wirbt, Bäume zu pflanzen. Kümmert sich dieses Unternehmen sonst auch um seine Ökobilanz?
Falls nein, handelt es sich wahrscheinlich nur um einen versuchten Ausgleich bzw. um eine billige Variante, um bei den Kunden besser anzukommen. Das bedeutet, dass diese Unternehmen eventuell nicht nachhaltig aufforsten.

Weiterhin sollten Sie darauf aufpassen, ob das Unternehmen verspricht, den CO2-Ausstoß zu kompensieren. Falls ja, müsste dieses Projekt bestenfalls durch den The Gold Standard zertifiziert sein. Dabei handelt es sich um Projekte, die nachweislich die Treibhausgase reduzieren sowie der lokalen Bevölkerung und Umwelt dienen. Auch das Umweltbundesamt empfiehlt dieses Zertifikat.

Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht

Um zu wissen, wem Sie Ihr Vertrauen schenken und ob es die richtige Entscheidung ist, sollten Sie noch weitere Nachforschungen anstellen.

  • Wie gut informiert ist die Organisation über ihr Handeln?
  • In welchem Umfang werden Bäume gepflanzt?
  • Wie sichert die Organisation den langfristigen Erhalt der Waldflächen?

Wenn es um seriöse Anbieter geht, legen diese ihre Zahlen nicht nur offen, sondern erheben auch die Bäume, die es nicht geschafft haben. Außerdem besuchen solche Unternehmen ihre Projekte auch regelmäßig. Wer nämlich nur hohe Baumzahlen im Kopf hat bzw. nur darauf schaut, wie viele denn gepflanzt werden, sieht den Wald vor lauter Bäumen vielleicht nicht mehr. Dass Wälder effiziente Kohlenstoffspeicher sind ist zwar gut und schön, aber letztendlich soll ein Wald auch seinen eigentlichen Aufgaben nachkommen. Ein Wald soll die Böden schützen, zahlreichen Arten einen Lebensraum bieten, Wasser filtern und Menschen mit Waldprodukten versorgen. Diese „Leistungen“ sollten bei einer guten Aufforstung in jedem Fall bedacht werden.

Alles in allem ist Bäume pflanzen durchaus eine langfristige und gute Investition in unsere Zukunft.

Es ist demnach sehr sinnvoll, wenn wir aufforsten. Allerdings werden wir die 1,5-Grad-Grenze schon überschritten haben, wenn neue Wälder nennenswerte CO2-Speicher werden. Damit wir den Klimawandel verlangsamen können, sollten wir daher auch bereits vorhandene Wälder schützen.