Mehr Störche überwintern in Deutschland
Mehr Störche überwintern in Deutschland
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Immer mehr Störche überwintern in Deutschland

Bereits im Februar 2020 war es soweit: Zahlreiche Störche kehrten früher als sonst aus ihren Winterquartieren nach Deutschland zurück. Regelmäßig meldeten Storchenexperten des Naturschutzbundes neue tierische Rückkehrer, insbesondere in Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie Schleswig-Holstein.

Erste Rückkehrer landeten schon Anfang Februar in Deutschland

Die ersten Tiere wurden in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr schon am 2. Februar gesichtet. Damit sind sie ungefähr eine Woche früher als üblich zurückgekommen. Das Naturschutzinstitut in Sachsen geht sogar noch einen Schritt weiter und betont, dass die Tiere ungefähr vier Wochen zu früh zurückgekehrt sind.

Unterscheidungen nach Ost- und Westziehern

Doch nicht alle in Deutschland heimischen Störche wählen für die Winterzeit den gleichen Rückzugsort aus. In westlichen Gefilden einschließlich Thüringen und Sachsen-Anhalt sind überwiegend Störche zu Hause, die die westliche Route in Richtung Süden über Frankreich wählen.

Im Osten sind sogenannte Ostzieher zu Hause, die über die Balkanroute am Bosporus entlang bis nach Afrika gelangen. In Regionen wie Westmecklenburg oder Schleswig-Holstein sind Ost- und Westzieher angesiedelt.

An veränderten Lebensstrategien ist nicht der Klimawandel schuld

Diese veränderten Lebensstrategien im Winter sind eine Folge der veränderten Bedingungen. Seit mittlerweile 20 bis 30 Jahren gibt es in Deutschland zahlreiche Westzieher, die nicht mehr über das Mittelmeer bis nach Afrika fliegen.

Der Grund für diese Entwicklung ist aber nicht der Klimawandel. Vielmehr ist das veränderte Nahrungsangebot dafür verantwortlich. So befinden sich heute noch immer in Spanien riesige offene Mülldeponien und Reisfelder, in denen die Störche organische Abfälle oder Kleintiere wie Krebse finden. Die Flugstrecken sind dort gering und dennoch kehren die Tiere dann gut genährt zu den Brutgebieten zurück. Hier befinden sich die Störche dann ungefähr einen ganzen Monat vor den Ostziehern, die zumeist erst zwischen Mitte März sowie Anfang Mai nach Deutschland zurückkehren.

Bessere Überlebenschancen für Westzieher

Inwiefern die kurzen Flüge sowie die zeitige Rückkehr die Bruterfolge beeinflussen, kann aktuell noch nicht beurteilt werden. Schließlich geht der Bruterfolg mit Nahrungs- und Witterungsverhältnissen nach dem Schlupf einher. Allerdings sind die Überlebenschancen bei Westziehern zur Winterzeit insbesondere für einjährige Störche wesentlich besser. Die gute Überlebensrate führte bislang allerdings noch nicht dazu, dass Störche von ostziehenden Tieren nicht mehr die Ostroute wählten. Diese Veranlagung liegt den Vögeln in den Genen. Trifft ein unerfahrener Jungstorch allerdings auf eine Gruppe an erfahrenen Westzieher, schließen sich die Tiere dennoch dieser Gemeinschaft an.

Setzt sich eine Überwinterung in Deutschland bei immer mehr Störchen durch?

Außerdem hat sich bei Kranichen und Störchen eine Überwinterung in Brutgebieten bewährt. Schätzungen von Tierexperten zufolge gab es im Winter 2019/2020 mehrere hundert Störche, die sich den Zug komplett erspart haben. Auch diese Veranlagung ist eine Frage der Evolution. Setzt sich die Strategie bei den Störchen durch, wandelt sich das System gewiss schon bald zum Erfolgsmodell. Informationen des Naturschutzbundes zufolge verbrachten in Thüringen etwa fünf Störche den kompletten Winter im Werratal.

Im hessischen Kreis Groß-Gerau sind sogar ungefähr 150 bis 200 Störche über den Winter zu Hause geblieben. Die Überwinterer versuchten, ihr Futter in Vogelpflegestationen oder Tierparks zu erhalten. Einige Rückkehrer wurden hingegen schon dabei beobachtet, wie sie auf Ackern nach Regenwürmern und Mäusen suchten.