Wildschweinangriff
Wildschweinangriff – Was tun?
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Wildschweinangriff – Was tun?

Wanderungen durch den Wald dienen der Erholung und lassen nicht nur Herzen von Naturfreunden höher schlagen. Doch in den Medien tauchen immer wieder Meldungen von Wildschweinen auf, welche Wanderer in freier Natur angreifen.
Mit aufgestellten Borsten und gesenktem Kopf laufen die Tiere auf Menschen zu und verursachen ernsthafte Verletzungen. Doch wie können Naturenthusiasten dieses Szenario vermeiden?

Vorsicht vor Rotten mit Jungtieren

Vor einer Begegnung mit Wildschweinen sind Ausflügler zwar nie zu 100 Prozent gefeit. Doch das Risiko, einem Tier in freier Wildbahn zu begegnen, ist dennoch sehr gering.

Am höchsten ist das Risiko im Frühjahr von März bis Mai, wenn Bachen ihren Nachwuchs beschützen möchten.

Begeben sich Keiler im Winter auf Paarungssuche, sollten Menschen ebenfalls nach den Tieren Ausschau halten.

Wildschweinrotten mit Jungtieren
Vorsicht vor Wildschweinrotten mit Jungtieren

Das Wildschwein im Porträt

Wildschweine sind eindrucksvolle Waldbewohner, deren Männchen eine Schulterhöhe von bis zu 1,10 Meter erreichen. Während die männlichen Keiler bis zu 150 Kilogramm wiegen, sind weibliche Bachen zumeist nur halb so schwer.
Trotz des hohen Gewichts erreichen die Tiere bei drohender Gefahr eine hohe Geschwindigkeit. Ein markantes optisches Detail sind bis zu 20 Zentimeter lange und weit hervorstehende Eckzähne. Mit diesen Zähnen und dem starken Unterkiefer können sich die Säuger gut verteidigen. Doch in den meisten Fällen greifen Wildschweine nicht grundlos an. Diese Regel gilt insbesondere für Menschen, da diese weder als Futterkonkurrenz noch als Beute für die Schweine gelten.

Wildschweine
Wildschweine sind eindrucksvolle Waldbewohner, deren Männchen eine Schulterhöhe von bis zu 1,10 Meter erreichen

Seltene Begegnungen in freier Natur

In freier Natur treffen Wanderer oder Spaziergänger dennoch eher selten auf Wildschweine, da die Tiere eine natürliche Scheu vor Menschen entwickelt haben. Riechen oder hören sie Menschen, achten die Wildschweine auf einen größeren Abstand oder flüchten. Allerdings gibt es zwei Ausnahmen.

Gute Lebensbedingungen und milde Winter sorgen dafür, dass Bachen heutzutage fast über das gesamte Jahr hinweg Frischlinge – ihren Nachwuchs – gebären.

Die anfänglich hilflosen Tiere könnten bei Gefahr nicht fliehen. Wer deshalb abseits der Spazierwege eine Rotte aufscheucht, muss mit aggressiven Reaktionen durch die Tiere rechnen. Fauchend und mit Drohgebärden versuchen Bachen, ihre Jungtiere zu verteidigen. Angriffe sind nicht ausgeschlossen.

Bestimmte Situationen vermeiden

Erspähen Menschen Frischlinge, sollten sie nach Möglichkeit umkehren und jeglichen Kontakt mit den Tieren vermeiden.
Andernfalls ist nicht auszuschließen, dass Bachen die Annäherung als Gefahrensituation bewerten. Begegnungen mit verletzten Keilern bergen zusätzliches Gefahrenpotential. Kommen Ausflügler diesem Tier zu nahe, drohen Angriffe mit folgenschweren Konsequenzen.

Wildschwein Frischlinge
Erspähen Menschen Frischlinge, sollten sie nach Möglichkeit umkehren und jeglichen Kontakt mit den Tieren vermeiden

Im Fall der Fälle Ruhe bewahren

Wer im Wald dennoch auf ein Wildschwein trifft, sollte Ruhe bewahren und sich dem Tier auf keinen Fall nähern. Auf hektische Bewegungen sollten Betroffene so gut wie möglich verzichten. Versuche, um das Schwein zu verscheuchen, deuten die Tiere häufig als Bedrohung.

Zudem erhöhen Menschen das Risiko eines drohenden Angriffs, wenn sie panisch weglaufen oder Ausweichmanöver starten.

Stattdessen ist es ratsam, ruhig und langsam rückwärts zu laufen. Hierbei sollten Betroffene bestrebt sein, den Abstand zu den Wildschweinen zu vergrößern. Sinnvoll ist es ebenfalls, zu diesem Zeitpunkt beruhigend auf die Tiere einzureden. Genauso wichtig ist es, den Tieren nicht im Weg zu stehen und auch nicht dessen Fluchtwege zu versperren. Mit diesen Maßnahmen senken Betroffene das Angriffsrisiko deutlich.

Den eigenen Hund instruieren

Werden Menschen bei der tierischen Begegnung von einem Hund begleitet, sollten Betroffene die Vierbeiner zurückrufen. Ist dieser angeleint, ist es ebenfalls wichtig, das Tier zum ruhigen Verhalten aufzufordern und in seiner Nähe zu halten.
Im Falle einer Konfrontation ist es wichtig nicht einzuschreiten. Häufig gelingt es den Vierbeinern, schneller als Wildschweine zu rennen oder der Situation durch ein Schlagen von Haken zu entrinnen. Die Schweine laufen zumeist nur schnell geradeaus.

Hund mit Wildschwein
Werden Menschen bei der tierischen Begegnung von einem Hund begleitet, sollten Betroffene die Vierbeiner zurückrufen

Nichtsdestotrotz sollten sich Waldbewohner vor Augen führen, dass Wildschweine von Natur aus friedliebende Tiere sind. In den meisten Fällen flüchten sie vor kritischen Situationen. Angriffe drohen nur in Regionen, in denen die Tiere an Angriffe gewöhnt sind oder diese regelmäßig gefüttert werden. Deshalb werden die Säuger auch immer häufiger in Städten gesichtet. Weil Wildschweine bei der Nahrungssuche in bewohnten Regionen zum Teil große Schäden anrichten, sollten im Freien aufbewahrte Nahrungsreste gut gesichert sein. Aus dem Grund ist es beispielsweise wichtig, die Biotonne stets zu verschließen oder gar zu befestigen.

Erhöhtes Risiko bei Dämmerung und in der Nacht

Am höchsten ist das Risiko einer Begegnung mit einem Wildschwein, wenn Wanderer in der Dämmerung oder nachts abseits klassischer Spazierwege durch den Wald laufen. Die Wohn- und Schlafstätten der Tiere befinden sich in dicht bewachsenen Unterwucherungen oder im Schilf- und Fichtendickicht. In diesen Gebieten rechnen die Tiere auch nicht mit Begegnungen mit Menschen. Begegnen sich Mensch und Tier dennoch, ergreifen die Säuger in aller Regel die Flucht.

Zumeist werden die tierischen Rotten von erfahrenen Bachen geleitet, die versuchen, jegliche Form von Konflikten zu verhindern

. Eine Garantie ist das Bestreben der Tiere jedoch nicht. Die Gefahr einer tierischen Begegnung können Menschen reduzieren, indem sie auf beschilderten Wegen verweilen. Diese Pfade riechen zumeist so intensiv nach Menschen, dass Tiere die Bereiche automatisch meiden. Wanderer und Spaziergänger verscheuchen die Tiere ebenfalls, wenn sich diese gut hörbar unterhalten.

Hilfreiche Tipps für Autofahrer

Für Autofahrer endet eine Begegnung mit Wildschweinen schlimmstenfalls tödlich. Insbesondere im Herbst und Winter überqueren die Tiere Bundes- und Landesstraßen zumeist in der Dämmerung. Sehen Autofahrer die Tiere allerdings erst zu spät, drohen Kollisionen.

Wildunfälle haben häufig schlimme Konsequenzen und enden zum Teil sogar tödlich. Aus Sicherheitsgründen ist es ratsam, zur kalten Jahreszeit in der Dämmerung stets langsam über Felder, Bundesstraßen und Wiesen zu fahren. Fahren mit verminderter Geschwindigkeit reduziert das Unfallrisiko. Kommt es dennoch zu einem Wildunfall, sollten Fahrer das Auto nicht verlassen. Zum Teil sind verletzte Tiere besonders aggressiv und greifen Menschen vermehrt an. In dem Fall ist es wichtig, sofort die Polizei zu kontaktieren.