Wie KI die Literatur verändern kann

Verschiedene Autoren, darunter die polnische Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk, der technikaffine Heidelberger Autor belmonte oder die japanische Schriftstellerin Rie Qudan, haben bereits KI für ihre Romane verwendet. KI kann die Literatur revolutionieren und ermöglicht das Schreiben von Büchern innerhalb kürzester Zeit. Einige Schriftsteller und Literaturwissenschaftler warnen bereits vor einer übermächtigen KI.
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Künftig mehr maschinengestütztes Schreiben
Der Heidelberger Autor belmonte stellt in seinem neuen Buch „Was bleibt uns, wenn das Wasser kommt“ seine literarischen Tests vor. Das Buch enthält viele kurze Textproben und fünf Kurzgeschichten, die mit Hilfe von KI generiert wurden.
Der technikaffine Autor sagt selbst gegenüber SWR Kultur, dass die Geschichten noch schematisch und musterhaft sind.
Er prognostiziert jedoch, dass die Anwendungen immer besser werden. Der Autor glaubt, dass sich literarisches Schreiben künftig zu einer Mischung aus menschlicher Kreativität und maschineller Intelligenz entwickeln wird.
Der Schriftsteller spricht davon, dass KI im literarischen Schreiben verstärkt als Assistenz und Dialogpartner eingesetzt wird. Dafür werden Chatprogramme verwendet.

Bücher innerhalb kurzer Zeit schreiben
Im November 2022 wurde ChatGPT eingeführt. Das KI-unterstützte Schreiben explodiert seitdem. Amazon musste daher schon ein knappes Jahr später die Zahl der pro Tag und pro Autor über das Amazon-Angebot Kindle Direct Publishing veröffentlichten Bücher auf drei Stück begrenzen. Ratgeber und Reiseführer sind leicht mit ChatGPT zu generieren. Das KI-Modell wird jedoch auch zunehmend für Belletristik verwendet.
Nur KI macht es möglich, dass ein Autor pro Tag drei Bücher verfassen kann. Die literarische Qualität solcher Werke ist fragwürdig. Häufig werden solche Bücher im unkontrollierten Self-Publishing veröffentlicht. Texte, die mit KI generiert wurden, schaffen es vereinzelt schon in Verlage.
Die japanische Autorin Rie Qudan erhielt 2024 den höchsten japanischen Literaturpreis, den Akutagawa-Preis. Von ihrem preisgekrönten Roman „Tokyo Sympathy Tower“ hatte sie fünf Prozent mit ChatGPT erstellt.

Wie Belletristik-Autoren KI verwenden
Der Schriftsteller Christian Homma befürwortet den Einsatz von KI in der literarischen Arbeit. In der gleichen Zeit schafft der Autor der Cosy-Crime-Reihe „Vino, Mord und Bella Italia!“ mehr Bücher. Die KI-Tools ermöglichen ein schnelleres Arbeiten.
Christian Homma lagert Tätigkeiten, die er selbst nicht gern ausführt, an die KI aus. Dazu gehören Plotten, Charakterentwicklung und die erste Rohfassung. Er nutzt dafür ein ausgeklügeltes System aus verschiedenen Tools.
Das von Christian Homma genutzte Meta-Tool Novelcrafter erleichtert es Autoren, Bücher direkt online zu schreiben und Kapitel zu organisieren. Er hat im System die Charaktere, Spielorte und Plots für seine Bücher hinterlegt. Zusätzlich nutzt er ChatGPT, PowerPoint, Claude und OpenRouter.
Der Schriftsteller baut sich mit ChatGPT eigene Bots wie für die Textkorrektur oder die Entwicklung von Charakteren. Der Golftrainer Matteo Bellini, eine Figur in den Krimis von Christian Homma, wurde mit ChatGPT entwickelt.
Sogar die Zielgruppe hat Christian Homma in der KI hinterlegt. Die KI weiß, was bei den Lesern funktioniert. Der Schriftsteller nimmt gerne die Vorschläge seines Chatbots an.
Skepsis gegenüber KI-generierten Büchern im deutschsprachigen Raum
Im deutschsprachigen Raum herrscht gegenüber Büchern, die mit KI generiert wurden, noch Skepsis.
Die Schweizer Verlagsbranche protestierte, als die Schweizer Swisscom 2025 ein durch KI generiertes Kinderbuch anbot.
Im Jahr 2024 musste sich der Oetinger-Verlag dafür entschuldigen, dass für die Covergestaltung der Skogland-Jugendbücher von Kirsten Boie das Bildprogramm Midjourney genutzt wurde. Die Verlage sind inzwischen stark sensibilisiert.
Kritische Sicht von Kulturwissenschaften auf KI-generierte Bücher
Der Literaturwissenschaftler Gero Guttzeit von der Ludwig-Maximilians-Universität München spricht davon, dass KI-Anwendungen wie Claude oder ChatGPT Texte produzieren, die auf der Oberfläche gut funktionieren und grammatikalisch korrekt sind. Sie können auch stilistisch angemessen sein.
Es geht jedoch darum, dass Leser kritisch mit solchen Texten umgehen. Der Literaturwissenschaftler ist der Meinung, dass Kulturwissenschaften unerlässlich sind, um sich mit den Versprechungen der KI-Branche kritisch auseinanderzusetzen.
Gero Guttzeit meint, dass KI-Modelle noch keinen kompletten Roman produzieren können. Werden Romane mit KI erstellt, handelt es sich nur um eine bescheidene Qualität. Autoren mit literarisch anspruchsvollen Texten sind noch weit von der Erstellung von Büchern mit KI entfernt.







