Telefonphobie
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Telefonphobie: Wenn die Angst vorm Telefonat Panik auslöst

Einfach schnell einen Arzttermin vereinbaren oder eine Pizza bestellen. Was im ersten Moment so einfach klingt, ist für viele Menschen eine große Herausforderung. Hauptsache nicht telefonieren müssen. Heute tritt in unserer Gesellschaft ein neues Phänomen auf. Die Rede ist von der sogenannten Telefonphobie.

Eine Form der Sozialphobie

Immer mehr Menschen stört es nicht, stundenlang Nachrichten ins Smartphone einzutippen. Wer Termine beim Friseur oder Arzt vereinbaren möchte, wendet sich an die Ansprechpartner lieber vor Ort als zum Telefonhörer zu greifen. Schnell könnte sich die Telefonphobie zu einer neuen Sozialphobie wandeln. Diese These formuliert Nadine D. Wolf. Die Oberärztin ist auf Phobien spezialisiert und in der psychiatrischen Klinik am Uni-Klinikum in Heidelberg tätig.

Verändertes Kommunikationsverhalten als klare Ursache

Ein ausschlaggebender Grund für diesen Wandel ist das veränderte Kommunikationsverhalten. Kommunizierten Menschen in der Vergangenheit hauptsächlich Auge in Auge, via Telefon oder per Brief, nimmt heutzutage WhatsApp überhand.

Schenkt man der JIM-Studie 2018 Glauben, kommunizieren rund 95 Prozent aller Jugendlichen von 12 bis 19 Jahren deutschlandweit regelmäßig über diesen Messenger. Diese Studie des Initiators „JIM für Jugend, Information und Medien“ ergab ebenfalls, dass nur noch jeder Fünfte täglich über sein Handy telefoniert.

Hemmungen werden durch unterschiedliche Gründe ausgelöst

Doch Medienpädagogen gehen noch einen Schritt weiter. Sie sind der Meinung, dass ein Anruf bei anderen Menschen schon immer Hemmungen auslöste. Doch im Laufe der Schulzeit, des Studiums und im Arbeitsalltag haben es Betroffene gelernt, miteinander zu telefonieren. Sie haben schlichtweg gelernt, mit dieser Herausforderung umzugehen.

Die Heidelberger Psychologin kann übrigens auch durchaus nachvollziehen, dass Menschen Hemmungen vor einem Telefonat haben. Ihrer Meinung nach gibt es verschiedene Gründe, die diese Hemmungen auslösen. Da ist beispielsweise die Angst, am Telefon abgelehnt zu werden oder sich während des Telefonats peinlich zu verhalten. Andere Menschen begleitet die Angst, mit einer unbekannten Person sprechen zu müssen. Das Gefühl, während des Telefonats völlig im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Und manchmal treffen gewiss auch mehrere Gründe aufeinander.

Ein großes Problem für viele junge Menschen

Diese Form der Sozialphobie ist laut Aussagen von Medizinern insbesondere bei jungen Menschen relativ weit verbreitet. Äußerungen der Ärzte zufolge existieren sogar Hinweise darauf, dass bis zu 17 Prozent aller Jugendlichen von 14 bis 20 Jahren unter dieser Phobie leiden. Junge Frauen sind von der Erkrankung eher als Männer betroffen.

Mit der Phobie verbundene Symptome reichen von Stottern und Zittern über Erröten bis hin vor Befürchtungen, in diesen Situationen einzunässen oder sich zu erbrechen. Betroffene sollten sich deshalb dann um ärztliche Hilfe bemühen, wenn die Angst derart groß ist, dass diese den Alltag stetig beeinträchtigt. In diesem Fall ist es hilfreich, sich in eine Therapie zu begeben und dann das Telefonieren (wieder) zu erlernen. Neben Psychiatern oder Psychotherapeuten stehen in einigen Regionen sogar Selbsthilfegruppen zur Verfügung, die einen Austausch mit anderen Betroffenen ermöglichen.

Vermeidungsstrategien erschweren die Bewältigung des Alltags

Weshalb die Telefonate so große Schwierigkeiten bereiten, können Betroffene vermutlich nur selbst verstehen. Doch Fakt ist, dass diese Ängste zunehmen, weil die Übung mit dem Telefonieren schlichtweg verlorengeht. Deshalb sind Konfrontationsübungen häufig eine gute Wahl. Denn im Gegenzug erschweren stetige Vermeidungsstrategien die Bewältigung des Alltags zunehmend.